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Nach dem Carnaval, Quilombo Rio do Macacos.

1 March 2012 5:29 AM

Der Polizeistreik endete am Samstag vor Carnaval. So ein Glück, blieben so doch noch wenigstens drei Tage, um das größte Volksfest der Welt vorzubereiten. Zeit genug, die 180 offiziellen Toten zu vergessen, Kostüme vorzubereiten, im Sonderangebot (oder am Schwarzmarkt) noch ein paar günstige Tickets für geschützte Bereiche zu erstehen…
Der Carnaval 2012 selbst war schwach gewesen, musste an die 30% Stornos im Tourismus verzeichnen, war durch Verkaufsverbote und drastische Strafen für das ambulante Händlervolk von Salvador, große Polemiken um die undurchsichtige Finanzierung der Stadtregierung und die karnevalesken Steuerprivilegien der Superreichen geprägt.
Während auf den uringetränkten Strassen der Hauptstadt trotzdem “Alegria, Paz & Alegria” (Freude, Friede & Freude) gefeiert wurde, spannte sich nur wenige Kilometer entfernt, die Lage drastisch an.

In Rio do Macacos, unweit von Simões Filhos und Salvador/Bahia, versucht die Marine Ende Februar 2012, einen geschützen Quilombo zu räumen.

Quilombo Rio do Macacos – eine Enklave aus einer anderen Zeit. Ein Stückchen Freiheit.
Quilombos – das sind freie bzw. befreite Territorien in Brasilien. Der Name ist wahrscheinlich auf die angolanische Bezeichnung für Dorf zurückzuführen, der bekannteste Quilombo, auch Brasiliens erste demokratische Republik genannt, war Quilombo dos Palmares, im Bundesstaat Alagoas, wo bereits im Jahr 1670 an die 50.000 Menschen lebten.

Quilombos sind Orte des Widerstands gegen die Casa Grande & Senzala / Herrenhaus- und Sklavenhütte (Gilberto Freyre) Gesellschaft, abgeschiedene, uneinsichtige Orte, wo sich in den letzten 400 Jahren autarke Gesellschaften entwickelt haben. Gelebte Afro-Brasilianische Gegen-Geschichtsschreibung.

Gewalt am Quilombo Rio do Macacos

Die Vorgehensweise kommt mir bekannt vor: Psychoterror gegen die ansässige Bevölkerung, Kaputzenmänner umstellen und attackieren die Siedlung, der Anbau von Nahrungsmitteln wird verboten, Häuser niedergerissen, die Dorfmühle komplett zerstört. Seit den 1970er Jahren ist die Marine vor Ort, und kontrolliert auf menschenrechtsverachtende Weise den Zugang zur Gemeinde. Wasser und Strom wurden in den letzten Tagen abgedreht, um die Quilombolas zum Auszug zu zwingen.
Denn die Marine beginnt, Zeitdruck zu haben. Weitere Offiziersquartiere, konkret: Villen- Siedlungen, sind für die sofortige Umsetzung geplant.

Ein weiterer Beitrag zum Thema IMMOBILENSPEKULATION – MILITÄRTERROR – WM 2014???

http://blogbahianarede.wordpress.com/

Verschwörungstheorie von Globo bestätigt!

9 February 2012 1:53 AM

Jetzt ist es draußen: Prisco hat gemeinsam mit anderen Militär Polizei und Feuerwehr GewerkschaftsführerInnen aus verschiedenen Bundesstaaten den Aufstand probiert. Die totale Destabilisation des Staates war angesagt! Vandalismus und Terror durch die PM’s selbst organisiert.
Globo hat Tonbandprotokolle der Justiz in die Finger bekommen und publiziert.

http://g1.globo.com/bahia/noticia/2012/02/gravacao-revela-que-pms-grevistas-da-ba-planejaram-vandalismo.html

Im Nachtquartier

24 August 2011 12:11 PM

…habe ich gestern mit Dorothée Frank über Bahia, Casa Matria, Candomblé, Crack Dealer und vor allem viel gute Musik geplaudert. Es hat Spass gemacht…
Hier gibt es die Sendung online zum Nachhören bei Ö1 (7 Tage lang).
Versprochen habe ich den HörerInnen ein paar Links und Literaturtipps.

Musik:
Célia Mara - die Künstlerin, die zwischen Brasilien und Österreich die Menschen bewegt.
BMA Webseite des brasilianischen Musik Export Büros
Bahia Music Export - neue Musik aus Bahia
Labels:
Trama – das Label von Elis Regina’s Söhnen: Nu Brazil & junge Artists & eine große Download Area…
Biscoito Fino – neue MPB vom Feinsten…
oder in Belgien: Crammed Discs

Literatur
Zur österreichischen Migration nach Brasilien empfehle ich die Lektüre von Dr.in Ursula Prutsch, hier ein Link zu Brasilien 1889-1985.
Ursula Prutsch lehrt zur Zeit in München. Sie ist wahrscheinlich die Spezialistin zur neueren Geschichte Brasiliens, v.a. im Deutschsprachigen Raum. Mehr Links zu Ursula Prutsch
Mein Lieblingswerk zu Afro-Brasilien ist nach wie vor Andreas Hofbauer: Afro-Brasilien, Promedia Verlag (1995)

hier gibt es einige meiner Artikel zu Brasilien, v.a. natürlich zur Frage der Landenteignungen, fehlenden BürgerInnerechten und Umbanda & Candomblé.

Soziales, Kulturelles
Auf www.globalista.net gibt es einen Überblick über meine Projekte mit/in Brasilien.
Casa Matria ist das Kultur und Sozialzentrum in Salvador, Vila Brandão, das wir gerade mit vielen Schwierigkeiten aufbauen.