silvias.net

Archive for the 'Uncategorized' category

rücktritt…

6 June 2012 19:10

Nach 6 turbulenten, erfolgreichen, spannenden Jahren, in denen ich mich zuerst als Gründungsmitglied, dann als Sprecherin und Präsidentin der IG World Music Austria engagiert habe, ist für mich die Zeit gekommen, mich aus der aktiven Geschäfstführung der IG zurück zu ziehen und einem neuen Team Platz zu machen.
Bei unserer außerordentlichen Generalversammlung am 4.6.2012 habe ich daher meinen Rücktritt offiziell bekanntgegeben.

Auf meine NachfolgerInnen wartet eine Organisation, die es bereits auf über 80 Mitglieder gebracht hat und somit einen wirklichen Vertretungsanspruch im Rahmen der World Music geltend machen kann.

Wir haben uns auf Neuwahlen im Herbst geeinigt, bis dahin bleibt der verbleibende Vorstand weiterhin aktiv. Ich würde mich sehr freuen, ein motiviertes, vielfältiges Team an der Spitze der IG zu sehen, die unsere Arbeit – nicht nur fortsetzen – sondern weiter entwicklen möchte. Für Informationen stehe ich jederzeit gerne zur Verfügung.

Von der Gründung an haben wir uns klar positioniert: keine Musik ohne die Menschen, die sie produzieren!
Starkes Engagement in der österreichischen Kulturpolitik und in der Musikwirtschaft sind daher ebenso wie eine klare antirassistische Positionierung, der Kampf für die Rechte von KünstlerInnen migrantischer Herkunft und Gendergerechtigkeit Teil des Profils der IG World Music Austria geworden. Darauf bin ich besonders stolz, ist es mir persönlich doch ein ganz wichtiges Anliegen, aktiv an einer gerechten Gesellschaft mit zu arbeiten.

In den letzten Jahren habe ich mich daher persönlich besonders in Fragen der Institutionalisierung der World Music und ihrer ProduzentInnen im Rahmen der österreichischen Musikwirtschaft und Kulturpolitik stark gemacht.
Die kuratorische Mitarbeit im Handbuch des BMEIA “Frauen:: Musik:: Österreich”, eine Position im stellvertretenden Vorstand des Österreichischen Musikrats, die Mitarbeit im Forum Musik im Arbeitskreis Export zur Förderung der heimischen Musikwirtschaft, die Mitarbeit bei SOS Musikland Österreich waren für mich ehrenvolle und wichtige Aufgaben, die mir Gelegenheit gegeben haben, mich für World Music in Österreich ebenso wie für Themen wie Gender- und Migrant Mainstreaming im Rahmen der Musik einzusetzen und dieses in vielen Papieren zu verankern bzw. zu thematisieren.
Ich freue mich auch sehr, an der positiven Entwicklung des österreichischen Messestandes auf der WOMEX gearbeitet zu haben, wo es uns in den letzten Jahren gelungen ist, Österreich als einen wichtigen global Player in der Weltmusik zu positionieren.
Ich möchte die Gelegenheit nützen, mich besonders bei meinem langjährigen Co-Vorsitzenden, Mitstreiter, Freund wie auch Vorbild Norbert Ehrlich sowie den aktuellen und bisherigen VorstandskollegInnen Caroline Maraszto, Christine Koblitz, Gina Solis-Soglio, Heinz Krassnitzer, Horst Watzl, Jacqueline Carbonell Spörk, Jeroen Siebens, Katrin Pröll und Tom Jirsa ebenso wie unserem internationalen Berater Ian Smith und Womex- Stand Koordinator Heinrich Schläfer für die wunderbare, langjährige Zusammenarbeit bedanken.

All jenen, die an uns geglaubt haben und dies auch durch ihren Beitritt bekräftigt haben, möchte ich besonders danken!

Ich werde natürlich auch weiterhin eine aktive Kämpferin für World Music, Gender- und Migrationsfragen sein und freue mich auf die weitere Zusammenarbeit mit meinen KollegInnen!

Nachdem ich mein Engagement im Leitungsteam von femous: platform for famous female culture, der Initiative zur Sichtbarmachung von Frauen in der Musik verstärken möchte, meinen persönlichen Fokus wieder mehr auf die künstlerische und inhaltliche Zusammenarbeit mit Célia Mara verlagern möchte und sich meine Interessen immer stärker nach Brasilien verlagern, wo ich gerade an einem großen NGO Projekt arbeite, bleibt mir nur, Euch allen, lieben Kolleginnen und Kollegen, langjährigen WeggefährtInnen das Allerbeste mit einer in die Zukunft führenden IG World Music zu wünschen!

Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit und viele gemeinsame Stammtische!

Eure Silvia Jura

Abend Nr. 10 – keine Gute Nacht

10 February 2012 1:43

Der Streik geht weiter. Die Militär Polizisten in Salvador sind aufgebracht, haben sich neu organisiert. Die Frage der Generalamnestie ist ihre zentrale Forderung geblieben, die bereits erzielten Verhandlungsergebnisse werden wieder aufgemacht. Gerade eben haben sie es kommuniziert.
Dank Twitter bestens informiert…
Nur ein halber Tag mit Hoffnung auf Normalität. Der Terror geht weiter. Die PM’s toben, schreien – PM’s auf die Straße, PM’s auf die Straße! Gänsehaut, wie so oft in diesen Tagen.
Heute ist in dem leerstehenden Haus neben uns ein neuer Nachbar eingezogen. Es wird geputzt, das Dach gerichtet, gehämmert, gebohrt… seine schwarzen, glänzenden Schuhe stehen am Fensterbrett, mit weissen Socken daneben. Er wirkt sehr proper, der junge Mann… Groß, schwarz, kurze Haare, gut gekleidet… Er hat heute schon einen der Jungs, die ihm helfen, zur Ordnung gerufen – er solle nicht so schamlos tanzen, bei der Arbeit…
Ich frage mich, ob er vielleicht ein Pastor ist? Einer von diesen evangelikalen Seelenfängern, die dich täglich mit sinnentleerten Sprüchen belästigen und bedrohen. Das kann ja lustig werden…
In den Zeitungen habe ich es noch nicht gefunden, aber die ersten Tweets kündigen schon das Drama an… Streik in Rio! Der Kollaps einer 10 Millionen Stadt ist angesagt – absolutes Kräftemessen vor dem Karneval.
Die Regierungen haben schon Gehaltserhöhungen und Sondervereinbarungen zugesagt… aber es geht – anscheinend – um etwas ganz anderes.
Wir warten gespannt auf bessere Nachrichten.

Viva o carnaval!

9 February 2012 16:02

Jetzt kann es endlich richtig losgehen! Heute morgen, gegen 10:00, ergab sich der Streikführer Marcos Prisco, auch die ca. 200 Militär Polizisten, die sich mit ihm verschanzt hatten, verliessen das Parlamentsgebäude. Das Verwaltungszentrum ist wieder frei zugänglich, heute Nachmittag soll wieder der normale Betrieb aufgenommen werden.
Die große Globo, der mächtigste TV Sender, dem man sicher keine politische Korrektheit oder besondere Sympathie für Demokratiebewegungen unterstellen kann, hat das ganze Ausmaß des versuchten Staatsstreichs aufgedeckt… fast das Ganze, denn wichtige Details, wie die Parteizugehörigkeit von Prisco zum PSDB – damit eindeutig dem rechten Lager zuzuordnen – wurden nicht erwähnt.
Gezeigt wurde jedenfalls, bewiesen anhand von Tonbandprotokollen, dass es um eine Verschwörung zwischen den Gewerkschaftsführern der Militär Polizei und der Feuerwehrleute handelt – mit dem Ziel im gesamten brasilianischen Staat, mit Schwerpunkt auf die wichtigsten Zentren bzw. Bundesstaaten wie Salvador, Rio de Janeiro, Brasilia und São Paolo, Chaos und Terror zu installieren. Angeblich nur mit dem Ziel, die Verhandlungen zum PEC 300, dem bundesweiten Gehaltsschema für Polizei, durch zu setzen. Über weitere Hintergründe wurde bis jetzt noch nicht berichtet.
Aufgedeckt wird gerade die direkte Beteilung der PM’s an den Greueltaten gegen die Zivilbevölkerung, an den Todesschwadronen gegen Obdachlose und in den Armenvierteln!
Alle atmen auf – die Normalität ist wieder angesagt. Obwohl die Streikdrohung im Landesinneren von Bahia und in anderen Bundesstaaten noch in der Luft hängt…
So ein Glück, steht doch der Karneval vor der Türe – das größte Straßenfest der Welt!
Zufälligerweise habe ich gerade eben ein paar Eckdaten zum Karneval in Salvador bekommen – es geht um astronomische Summen – die größeren Blocos verdienen nur an Ticketverkäufen (T-Shirts, um hinter dem Trio Electrico in einem durch eine Schnur abgegrenztem Raum mitzutanzen) zwischen 5 und 10 Millionen Reais, ohne Sponsorengelder dazu zu rechnen. Die Camarotes – abgesperrtes Festivalgelände im öffentlichen Raum – fakturieren durchschnittlich 15 Millionen Reais. An die Stadt zahlen sie genau: 10,75 Reais Anmeldegebühr und ca. 40 Reias/m2 Miete – keine weiteren Steuern!!!
Der Staat Bahia und die Stadt Salavdor investieren in den karneval jedes jahr 30 Millionen Reais für die öffentliche Sicherheit und die Infrastruktur & Reinigung…
Und nur 22% der in Salavdor lebenden Menschen geben an, dass sie am Karnaval teilnehmen…
DesocupaCarnaval ist jetzt angesagt!!!

der neunte Tag

8 February 2012 16:34

Es geht weiter. Überfälle, Tote, Terror. Leergefegte Strassen. Horromeldungen in den Medien. Die Peripherie ist im Ausnahmezustand. Die Stadtverwaltung lahmgelegt.

Die Nacht war relativ ruhig. Wir hören zum Glück weder Geknalle noch Sirenen, in unserer Favela wir sind wir etwas abseits vom Schuß…
Unter unseren Nachbarn gibt es auch einige böse Jungs, einige, die wirklich im Geschäft sind. Und Andere, die schon mit 13, 14 Jahren mit brutalen Gesichtausdrücken, lautem Geschrei und einem Messer in der Bermuda zeigen wollen, wie gefährlich sie sind. Kindersoldaten. Avião – Flieger. Sie transportieren kleine Mengen Drogen für ein Taschengeld. Das System ist gut organisiert.
Wir kennen sie schon lange, sind wie ihre Tanten. Sie kommen zu uns nach Hause, essen eine süße Banane, fragen uns über diese andere Welt, die sie nicht kennen, aus. Einen von ihnen, einen kleinen Leader, nahmen wir auf Célia Mara’s Show beim Festival de Verão, dem 2.größten Pop-Rock Festival Brasiliens mit. Er durfte mit uns auf die Bühne, konnte im Backstage bleiben, sich alle Konzerte ansehen. Die Stars aus der Nähe kennenlernen. Die Hand von einem Abgeordneten drücken…
Er ist ganz stolz, seitdem. Grinst über beide Ohren, sobald er uns sieht. Keine Drohgebärden mehr. Er sit wieder Kind. Und für seinen größeren Kollegen ergab sich zum Glück auf unsere Anfrage hin eine Lehrlingsstelle im Landwirtschaftsministerium. Auf einmal gibt es wieder Zukunft.
Unsere Jungs sind die ersten Opfer dieser Aufstände. Sie werden niedergeknallt, sobald sie auf die Straße gehen. Sie sind schwarz, arm, laufen in Bermudas mit nackten Oberkörpern herum. Sie werden von den Todesschwadronen exekutiert, Futter, um noch mehr Angst in der Stadt zu schüren.
Hier bei uns, in der Favela bleiben alle zu Hause. Wir überlegen, ob wir den Zugang zu unserem Viertel einfach verbarrikadieren sollten.
Gestern hat Gouverneur Wagner den Zusammenhang zwischen den sich auf andere Bundesstaaten ausweitenden Militär Polizei Streiks und einem ausstehenden Gesetzesbeschluss in Brasilia zur Diskussion gestellt. PEC 300 – da geht es bundesweit um die Gehaltsforderungen der gesamten Militär Polizei und der Feuerwehrleute – und um Gehälter von 3.500.- bis 7.000.- Reais. Nur zum Vergleich:
In Brasilien liegt das gesetzlich festgelegte Mindestgehalt bei 622.- Reais, LehrerInnen im Landesinneren kommen auf maximal 1.244.- Reais, ein junger Arzt verdient an die 2.500.- Reais.
Vor diesem Hintergrund sind seit 2011 die Streiks in verschiedenen Staaten zu sehen – Chaos in den Städten, ständige Gewaltandrohung. Streiks, die fast bis zum Kollaps gehen. Im Durchschnitt daueren die Gewaltauschreitungen 10 Tage.
Salvador ist als ein erster Höhepunkt des Kräftemessens zu werten. Heute wollen sich weitere Polizei Gewerkschaften anschliessen, aber die ersten Streikführer wurden bereits verhaftet.
Nach dem Scheitern der gestrigen Verhandlungen zwischen Regierung und Streikenden ist zu erwarten, dass die Armee heute das besetzte Parlament befreien wird. Die Streikenden unter Führung des Ex-Soldaten Marcos Prisco drohen eine weitere Eskalation und Kampf an. Angeblich sind keine Kinder mehr im besetzten Gebäude.
Die angebotenen Gehalts- und Bonuserhöhungen sind ihnen zu wenig. 6,5% höhere Löhne und Ausgleichzulagen, die der Stadt nicht budgetiert hat. Die Forderungen der Streikenden konzentrieren sich jetzt größtenteils auf Amnestieforderungen – doch das wird – richtigerweise -abgelehnt.
Das Verwaltungszentrum der Stadt – CAB – ist nicht mehr erreichbar. Soeben haben wir mit einer Freundin telefoniert, die drinnen sitzt. Eine leitende Angestellte in der Provinzverwaltung. Angst. Die Lage spitzt sich ständig zu. Sie versucht, mit anderen KollegInnen das Gebäude zu verlassen, weiss aber noch nicht, wie und wann sie dort raus kommt!
Die Stadt ist einen Mantel des Schweigens – und des Terrors gehüllt. Selbst die Touristenzentren sind ausgestorben – Fotos von einem leeren Pelourinho lassen uns die Gänsehaut kommen…
Der Streik in Bahia ist einer der Höhepunkte des Kräftemessens zwischen der reaktionären Kärften und der linken Bundesregierung. Der Zeitpunkt – mit der drohenden Ausweitung in dieser pre-Karnevalesken Woche – auf Rio de Janeiro und die Hauptstadt Brasilia sind als stärkstes Druckmittel schlechthin zu verstehen. Geht es in Rio doch um eine 10. Millionen Metropole, wo zwei Drittel der Bevölkerung in sogenannten Armenvierteln leben – dh:sechs Millionen Menschen leben in täglicher Konfrontation mit Gewalt, Drogenhandel und Polizeiterror. Ich errinnere an den Film: City of God…
Desinformation beherrscht die Medien – niemand hat den Überblick…
Wir hoffen, dass Präsidentin Dilma mit eiserner Hand die Lage wieder in den Griff bekommen wird. Sie hat ihre besten Leute nach Bahia geschickt. Internationale Solidarität ist gefragt.

Gerade lese ich die Meldung, dass 500 Militär Polizisten die Hauptverbindungsstrasse zwischen dem Zentrum vom Salvador und dem Flughafen besetzen wollen. Die Lage spitzt sich weiter zu.

Bittere Tränen für Yemanja!

4 February 2012 16:06

2. Februar 2012: Yemanja, das Fest der Meeresgöttin in Rio Vermelho, einem Stadtteil von Salvador. Das größte Fest der Popularkultur Bahias, alle sind da, um der Meeresgöttin ihre Gaben – und Wünsche zu übergeben… Leider ist da oft zu viel Plastik dabei…

Zu Yemanja’s Ehren kommen die brasilianische Kulturministerin Ana de Holanda ebenso wie Candomblé Mae Stella. Die berühmteste Band Bahias, Olodum spielt für Massen von Touristen, für die Bevölkerung der Randbezirke ebenso wie für die alternative Szene der Stadt auf…Yemanja bewegt an die 100.000 bis 200.000 Menschen, die in dem kleinen Fischerviertel bis in den Morgen feiern.

yemanja1

Doch am 2.2.2012 wird nicht unbeschwert gefeiert. Die Militär Polizei streikt. Für die Sicherheit der BesucherInnen kann leider nicht garantiert werden. Ab 14.00 kommen keine Busse mehr in Rio Vermelho an, ab dem frühen Nachmittag eskaliert die Gewalt… Die Bilder gehen durchs Fernsehen.

Sicherheit gibt es nicht!

Viel mehr wird im TV nicht gezeigt – und schon gar nicht kommentiert. Über Twitter und Facebook verbreiten sich jedoch die Nachrichten in Windeseile. Ein Drittel der Militärpolizisten von Bahia streiken – für bessere Löhne, mehr Sicherheit, Pensionen, Gesundheitsvorsorge und für all das, was halt so die Rechte von ArbeitnehmerInnen sind.

Doch es ist kein normaler Streik, die Militär Polizei veranstaltet Chaos in der Stadt. Terror für die Bevölkerung ist angesagt. Autobusse werden von den Polizisten selbst überfallen, Straßen verbarrikadiert, erste Geschäfte schon am Nachmittag ausgeraubt. Kapuzenmänner, bis an die (nicht sichtbaren) Zähne bewaffnet, überfallen Autofahrer, Busse, Lokale… Angst. Völlige Unklarheit. Was ist los.

Am 2.2. wird, ab dem Nachmittag, in der Peripherie ebenso wie im Zentrum Salvadors geplündert, unzählige Überfälle versetzen die Bevölkerung in Angst und Schrecken, die Zufahrt- und Verbindungsstrassen sind blockiert, der Verkehr ist lahmgelegt. Banken werden überfallen, es gibt einige Tote. Die Geschäfte und Shoppingzentren sperren frühzeitig zu. Die Straßen sind mit Dunkelheitseinbruch wie leergefegt.

Gerüchtebörse

Im Internet ist ein Raunen gegen den PT Gouverneur von Bahia, Jacques Wagner zu vernehmen. Natürlich ist er nicht da, wenn das Volk ihn braucht, heißt es. Was er nur auf Dienstreise mit der Präsidentin Dilma Roussef macht – noch dazu in Kuba und Haiti. Die Unsicherheit – dafür sei er verantwortlich… sein Rücktritt wird vehementest in verschiedenen Foren gefordert!

Die streikende Militärpolizei besetzt mit knapp 1000 Mann, Frauen und Kindern das regionale Parlament. Alkohol fliesst angeblich in Strömen, im facebook werden dramatische Meldungen der Streikenden publiziert: „betet für uns, wir sind bereit bis zum letzten Mann zu kämpfen, wir sterben für unsere Anliegen…Wagner will uns abschlachten!“

Sicherheitsmaßnahmen

Stündlich kommen neue Terrornachrichten – in Feira de Santana , 100 Km nördlich von Salvador, wird die Uni geschlossen und der öffentliche Verkehr stillgelegt. In der Nacht wird die Situation immer schlimmer, die Menschen verbarrikadieren sich in ihren Häusern, die Straßen sind ausgestorben. Vandalierende Gruppen ziehen herum und terrorisieren die Bevölkerung. Unter ihnen – viele Militär Polizisten…

Gegen Mitternacht vom 2.2.2012 wird bekanntgegeben, dass loyale Polizeitruppen direkt aus Brasilia eingeflogen werden, um das Parlament zu befreien! Jacques Wagner lässt verlautbaren, dass er hart durchgreifen wird, um die Sicherheit der Bevölkerung zu garantieren. Weitere Truppen – Militärs und Spezialeinheiten der Polizei – sind im Anmarsch.

Zufälle

Im Facebook wird von der Diktatur Wagners gesprochen, eine Attacke gegen das Streikrecht sei das.

Seltsam klingt das für mich… viele Zufälle, handelt es sich um manipulierte Meinungen? Zu viele Stimmen verlangen sofort den Rücktritt Wagners… niemand geht auf den Streik der Militär Polizei ein. Auf die geballte Gewalt, das Lahmlegen einer 3 Millionen Stadt und den Ausnahmezustand, den die streikenden Polizisten gewollt geschaffen haben. Niemand spricht über den blühenden Drogenhandel in der Stadt und die angebliche Machtlosigkeit der Polizei, in keinem Forum wird über die offene Hand der Polizisten diskutiert, die nur etwas gegen das Verbrechen unternehmen, wenn man sie extra dafür bezahlt!

Niemanden wundert es, dass der Streik während einer Dienstreise des Gouverneurs stattfindet, keiner stößt sich an dem gewählten Datum, rund um Yemanja, dem größten Volksfest Bahias – mit all seinen vorhersehbaren Ausschreitungen, Gewalt, Alkohol und Exzessen.

Die Justiz von Bahia erklärt den Streik per Erlass als illegal und fordert dessen sofortige Unterbindung. Gegen den Streikführer, Marco Prisco, Vorsitzender der Gewerkschaft ASPRA, wird ein Haftbefehl ausgestellt. Prisco ist PSDB Mitglied, steht somit dem amtierenden Bürgermeister von Salvador João Enrique politisch sehr nahe. Doch Soldat Prisco ist umstritten… er wurde bereits 2001 in Unehren von den Streitkräften entlassen, da er mehrere gewalttätige Streiks in Eigeninteresse angeführt hatte.

Die rechten Parteien Salvadors – PSBD, PMDP, PP – unterstützen offiziell die Streikenden.

Die anderen Polizeigewerkschaften unterstützen die Forderungen, distanzieren sich jedoch von der Vorgehensweise und werden sich nicht dem Streik anschliessen.

Ganz leise

Die Gewalt und Unsicherheit, in die die Stadt gestürzt wird, ist unfassbar. Am Abend des 31.1.2012 war der Streik noch „heimlich“ ausgerufen worden, er sollte der Bevölkerung nicht mitgeteilt werden. Über Freunde erfuhr man es trotzdem. Selbstverständlich wussten es alle Polizisten und ihre Angehörigen…

Ich frage mich, ob der Streik mit der für den 1.2.2012 geplante Demonstration gegen den amtierenden Bürgermeister von Salvador, João Enrique, einen Immobilienmagnaten mit evangelikaler Ausrichtung, zusammenhängt.

Salvador erlebt gerade die Geburt einer BürgerInnenbewegung – DESOCUPA Salvador! Eine idignierte Mittelschicht schreit auf, sie wollen die gegen die öffentliche Enteignung vorgehen: Strände, die an die Freunde des Bürgermeisters zur kommerziellen Nutzung vergeben werden, kleine Gemeinden in Meeresnähe, die enteignet werden sollen (wie zb Vila Brandão), Naturreserven, die wahnwitzigen Immobilienprojekten weichen, Steuerschulden von bürgermeisternahen Shoppings, die großzügigst erlassen werden… Selbst eines der Wahrzeichen von Salvador, der Elevador Lacerda am Mercado Modelo soll „privatisiert“ werden. Die Gelder, die für die WM 2014 in die Infrastruktur der Stadt fließen sollten, verschwinden – bereits die zweite Metro wird nicht gebaut… aber bezahlt! Gewalt und Unsicherheit regieren die Stadt, Salvador scheint ein einziger, riesiger Carneval der politsichen Obszönitäten mit allen nötigen Ingredienzien zu sein. Korruption regiert auf allen Ebenen!

Vorprogrammiertes Chaos

Eigentlich macht das Chaos, in das die Stadt durch die streikenden Militärpolizei gestürzt wurde, nur das tägliche Drama von Salvador sichtbar: Korruption, unkontrollierte Polizeigewalt in Verbindung mit organisierten Verbrechen, politische Verstrickungen zwischen Immobilienmafia und Großunternehmertum, evangelikale, kriminelle Netzwerke, undemokratische Entscheidungsprozesse, schweigende Medien und eine größtenteils meinungslose, alles duldende Bevölkerung!

Der amtierende Bürgermeister, dessen Rücktritt jetzt so vehement gefordert wird, ist Teil dieses Szenarios. Der Streik kam ihm nicht wirklich ungelegen… verlagerte sich doch die gesamte Kritik in Richtung der linken National- und Bundesregierungen, die Bewegung DESOCUPA Salvador und ihre Forderungen wird mit einem Schlag aus den Medien gedrängt…

Und das zu einem Zeitpunkt, wo Dilma Roussef mit großem Elan und politischem Willen die korrupten Strukturen des Landes durchbricht. Erst unlängst hat sie den mit Milliarden dotierten Entwicklungsfonds des Nordostens zu Gunsten von Mittel- und Kleinbetrieben umgewidmet, sie setzt auf Nachhaltigkeit. Und geht auf Konfrontationskurs mit dem hier herrschenden Klientelismus. Der Sturz Wagners wäre für sie und ihre Regierung eine große Belastung. Ihr ambitioniertes Programm für ein korruptionsfreies Brasilien könnte scheitern.

no fun @ Yemanja

Der 3.2.2012 wird als blutiger Freitag in die Geschichte eingehen – mehr als 35 Tote wurden an diesem Tag mit den Gewaltausschreitungen in Verbindung gebracht – bei einem Jahresdurchschnitt von 4,3 täglichen Morden. Die Stadt ist lahmgelegt, viele Geschäfte bleiben den ganzen Tag geschlossen. Es wird geplündert, überfallen, Chaos gestiftet.

Das Kulturprogramm der Unterhaltungsmetropole ist übers Wochenende gestrichen.

Und die Stadtverwaltung legt noch eines drauf… am Freitag Nachmittag wird in den Vierteln der Peripherie die Wasserlieferung eingestellt – angeblich aus Wartungsgründen. Brutalste Überfälle auf die Zivilbevölkerung zeichnen die Nacht auf Samstag. Eine stillende, obdachlose Mutter wird auf offener Strasse von vorbeifahrenden Männern erschossen, Leute twittern „geht nicht raus, versteckt euch – in euren Kellern, Küchen, Kästen…“ In den Vierteln der oberen Mittelschicht, in „brankolândia“ stehen bereits die Panzer der Armee, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Wagner hält eine klare, positive und entschlossene Fernseh- und Radioansprache. Er wird die Demokratie schützen. Kein Platz für Terror gegen die Bevölkerung. Dilma schickt Militärs aus den angrenzenden Bundesländern nach Bahia, um die Stadt wieder zur Ruhe zu bringen. 12 Haftbefehle gegen die Redelsführer werden ausgestellt, der Sitz von ASPRA, den Streikenden, wird gerichtlich geschlossen.

Am Wochenende soll sich die Situation lösen – die Bundesregierung steht geschlossen hinter Wagner, Justizminister, die Sekretärin für nationale Sicherheit und der Oberkommandant der Streitkräfte treffen in Salvador ein, die Armee übernimmt die Stadt.

Einige Kulturveranstalter posten bereits Fotos von nicht ganz leeren Bars, es ist eh alles wieder in Ordnung!

Nur Olodum wird nicht mehr spielen, heute. Denis, auch genannt o „Negão“, einer der Percussionisten, wurde in der Nacht vom 2.2. am Heimweg in die Peripherie von Kapuzenmännern erschossen.

Alegria! Soria – você esta na Bahia!

Es ist Zeit, mit der korrupten Militär Polizei in dieser Stadt auf zu räumen und mehr soziale Sicherheit für die Bevölkerung in allen Vierteln zu schaffen. Mit bestem Gruß an den Bürgermeister João Enrique:DESOCUPA João!

Celia Mara live @ festival de verão 2012 – mercado modelo

wochenkonzentrat

22 November 2011 22:42

dienstag, 22.11 … femous: 360° women in music präsentiert. unser ziel: inklusion. aktive vernetzungs- und kulturarbeit,  music – schnittstelle,  mit-entwicklen einer sozialen skulptur. more

mittwoch 23.11 : femous: review – forward -play. diskutieren, reflektieren, ideen finden. vernetzen. ein netzwerktreffen im MICA – music austria. more

donnerstag 24.11 : célia mara band: aus der reihe tanzen in linz, am mensafestfemous brazilian bastardsound. more

und freitag 25.11 : ein thementag zu kulturkooperationen zwischen anspruch und realität. politische strategien, UNESCO konvention zur kulturellen vielfalt. diskutieren. für vielfalt, kooperationen auf augenhöhe, gleichen zugang zu den ressourcen eintreten. IG world music & femous vertreten. more

femous – joining forces!

20 November 2011 15:43

2011 – das sind 100 Jahre internationaler Frauentag, 100 Jahre Kampf um Sichtbarkeit, gleichen Zugang zu Ressourcen und gesellschaftliche Anerkennung. Mit femous haben wir versucht, den vielen Musik Frauen ihre vielen Gesichter zu geben – sie in ihrer Vielfalt, Eigenständigkeit, Innovation zu unterstützen – und gemeinsam um mehr Platz in der Musikszene zu kämpfen.

Am 23.11.2011 wollen wir das Jahr ein wenig Revue passieren lassen… und bei einem Get together in die nähere und fernere Zukunft blicken…

femous: review – forward – play!

Am 17. Dezember machen wir ernst und setzen auch im Einkaufsrausch ein femouses Zeichen:
Bei heißen Getränken, coolen Gesprächen auch die Gelegenheit für independent female artists, ihre CD’s direkt an die Weihnachstgeschenke SucherInnen zu bringen.
Ich freu mich schon sehr…

Wir diskutieren, reflektieren… greifen ein?

16 November 2011 18:33

Der arabische Frühling und die europäische Normalität

Kulturkooperationen zwischen Anspruch und Realität

Ort: Albert Schweitzer Haus, Schwarzspanierstraße 13, 1090 Wien
Zeit: Freitag, 25. November 2011, 13.00 – 17.00 Uh

13:00 Begrüßung und Einführung:
Eva Novotny | ÖUK Österreichische UNESCO-Kommission
Walter Posch | VIDC Wiener Institut

13:15 The Arab Spring – The Translation of the Revolution into the Arts (Englisch)
Basma El Husseiny | Al Mawred Al Thaqafy | Ägypten | ARTERIAL Network

14:00 Künstlerische Praxis
Stefanie Carp | Wiener Festwochen
Norbert Ehrlich | Salam Orient

15.00 Kaffeepause

15:30 Grenzen und Chancen internationaler Kulturkooperationen
Norbert Riedl | BMUKK
Clemens Mantl | BMeiA
Silvia Jura | IG World Music Austria | femous
Claudia Marion Stemberger | artandtheory.net

17:00 Networking und informeller Austausch bei Getränken und Imbiss

Um Anmeldung wird erbeten: toth@vidc.org

Hintergrund
Der ägyptische Pavillon auf der Kunstbiennale von Venedig war dem Video- und Performance-Künstler Ahmed Basiony gewidmet, der bei den Protesten in Ägypten getötet wurde. Wie viele andere KünstlerInnen in Nordafrika, schloss sich Basiony der Demokratiebewegung an. Viele KommentatorInnen sprachen von der Kunst als eine der Hauptachsen der Revolution. KünstlerInnen verließen ihre Ateliers und Theaterräume. Sie gingen hinaus auf die Straßen, in die Stadtviertel. Wie die internationalen Medien entdeckte auch die globalisierte Kunstszene ihre Leidenschaft für Nordafrika. Was passiert aber, wenn sich das Fenster der Aktualität wieder schließt, wie im Falle Südafrikas nach dem Ende der Apartheid? Was nehmen wir von den demokratischen Aufbrüchen und den künstlerischen Ausdrucksformen in anderen Regionen Afrikas wahr? Wird der vielzitierte Dialog der Kulturen aus Südperspektive nicht als sanfter Imperialismus empfunden? Wer setzt die Parameter für den Dialog und die Kooperationen?

Diese und andere Fragen sollen beim kulturpolitischen Gespräch mit PraktikerInnen, KünstlerInnen und KulturpolitikerInnen diskutiert werden. Einen institutionellen Rahmen dazu bietet das UNESCO-Übereinkommen über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen. Das österreichische Parlament hat die Konvention 2006 einstimmig angenommen. Damit wurde eine neue Ära der internationalen Kulturpolitik eingeläutet, fordert das Übereinkommen doch die Staaten explizit dazu auf, die internationale Kulturkooperation zu Gunsten von „Entwicklungsländern“ zu fördern. Etliche europäische Länder haben dies zum Anlass genommen, entsprechende Strategien zu entwickeln: Die Schweiz setzt auf das „Kulturprozentprinzip“, mit dem ein oder mehr Prozent des Entwicklungsetats in Partnerländern für Kunst und Kultur eingesetzt werden können. Skandinavische Länder haben eigene Strategien und Leitlinien für die Entwicklungszusammenarbeit entwickelt, die Kunst und Kultur als zentrale Säule für nachhaltige Entwicklung und Demokratie verankern. Fünf Jahre nach der österreichischen Ratifikation des UNESCO-Übereinkommens ist es Zeit für eine Bestandsaufnahme. Was ist bisher geschehen – und was nicht? Welche Strategien und Methoden für Kulturkooperationen und Kulturaustausch werden für die Zukunft vorgeschlagen? Welche Möglichkeiten der Finanzierung und Unterstützung gibt es in der Praxis?

ReferentInnen

Basma El Husseiny ist seit 20 Jahren Kulturmanagerin und Kulturaktivistin in der arabischen Welt. Sie war Programmkoordinatorin für Medien, Kunst und Kultur für die Ford Foundation im Mittleren Osten und beim British Council in Ägypten. Basma arbeitete als Theaterregisseurin, Theaterautorin und Organisatorin von Kulturveranstaltungen. Zur Zeit leitet sie die Al Mawred Al Thaqafy (Culture Resource), eine Non-Profit Organisation, die junge KünstlerInnen unterstützt und den regionalen und internationalen Austausch fördert. Sie ist auch Mitbegründerin des Arab Fund for Arts & Culture. In der ägyptischen Revolution ist Basma El Husseiny eine treibende Kraft für einen grundlegenden Wandel im Kultursektor.

Stefanie Carp promovierte in Berlin in Literaturwissenschaft, war als Dramaturgin am Düsseldorfer Schauspielhaus, am Theater Basel und am Schauspielhaus Hamburg engagiert, in Basel und Hamburg unter der Intendanz von Frank Baumbauer. Ab der Spielzeit 2000 bis 2004 war sie Chefdramaturgin und Co-Direktorin des Züricher Schauspielhauses während der künstlerischen Direktion von Christoph Marthaler. Von Juli 2004 bis Ende Juni 2005 war sie Schauspieldirektorin der Wiener Festwochen, von 2005 bis 2007 Chefdramaturgin an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin; 2006/07 gleichzeitig Gastprofessorin am Literaturinstitut Leipzig. Seit August 2007 ist sie Schauspieldirektorin der Wiener Festwochen.

Norbert Ehrlich, gelernter Jurist, Pianist, Künstleragent und Programmgestalter der Szene Wien. Anfang der 80er Jahre öffnete er diesen Spielort für Musik, Tanz und Theater aus außereuropäischen Ländern. Nach 9/11 initiierte er das Festival SALAM ORIENT. Als künstlerischer Leiter des Festivals bringt er immer wieder klingende Namen nach Wien. 2011 lud er u. a. den Tunesier El Général ein, dessen Song „Rayes Le Bled“ sich in der gesamten arabischen Welt verbreitete. Gilt bei Juristen als guter Pianist, bei Pianisten als hervorragender Programmgestalter, bei Programmgestaltern als exzellenter Jurist.

Claudia Marion Stemberger ist freiberufliche Kunsthistorikerin [www.artandtheory.net]. Kuratorische Projekte, u.a. Farewell to Longing. Figurationen von Heimat in der Gegenwartskunst (Wien 2011), Alterating Conditions. Performing Performance Art in South Africa (Johannesburg 2011), No more bad girls? (Wien, Bergen 2010). 2010/2011 Curator-in-residence an der Bag Factory in Johannesburg. Publikationen, u.a. Identität (Ausstellungskatalog, Fotogalerie Wien, 2010), Schwindel der Postmoderne (peer-review, ilinx, 2009).
Silvia Jura ist Sozial- und Kulturanthropologin und Kommunikationsberaterin. Als Direktorin von femous:platform for famous female culture und Präsidentin (und Gründungsmitglied) der IG World Music Austria liegen ihre inhaltlichen Schwerpunkte in Gender- und Rassismusfragen im Kulturbetrieb. Sie arbeitet im internationalen Musikbusiness, vertritt die Künstlerin Célia Mara weltweit und betreut Sozial- und Kulturprojekte in Brasilien.

Clemens Mantl, Jurist und Diplomat, ist Leiter des UNESCO-Referats im Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten. Bis August 2011 war er Direktor des österreichischen Kulturforums in Kairo und stellvertretender Leiter der Österreichischen Botschaft Kairo. Davor war er unter anderem Direktor des Kulturinstituts und Kulturforums Teheran (1999 – 2001) sowie als stellvertretender Leiter der Österreichischen Botschaften in Prag, Teheran und Damaskus für das Außenamt tätig.

Norbert Riedl arbeitet im Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur und ist u.a. für  internationalen Kultur-Kooperationen zuständig.

Wir freuen uns auf Ihr Kommen!
Um Anmeldung wird gebeten:
toth@vidc.org

Der Vortrag von Frau Basma El Husseiny findet in englischer, die Panels in deutscher Sprache statt.

global grooves against the global crisis

2 November 2011 18:41

Networking is my real passion… and WOMEX is the right place to do it.
This year, I spent only two days in Copenhagen, but I was able to meet a lot of my friends from the international world music scene. It was so good to see them – to exchange ideas – and to establish stronger bonds for going on together in the future.
To say it frankly – I guess that we have to expect hard times coming. Our South European colleagues soffered the crisis very hardly, many venues & clubs had to close, many festivals – mainly the smaller ones – are not able to continue. Our greek friends are still optimistic… and focussing on international cooperations, whilest Portugal closed the doors and has no money anymore to invite international artists. Italy is simply a pre-post Berlusconi disaster, most of the cultural funds are gone… and Spain is affraid of what the next elections will bring…In the meantime, the big business is going on… viva los multis and the globalized “mono-taste”.

Anyhow, we are a resisting clan! People is still interested in World Music made in Austria – so I could open some very interesting cooperations:
EPPAX – european plattform for perfoming arts exchange in Amsterdam is waiting for our contributions (artists, send your videos!) – a good platform for international exchange (14/15.march 2012)

babel med is probably the hottest upcoming spot for world music affizionad@s – we will organize an Austrian delegation to go there – who is interested in joining us is mostly welcome! (end of march 2012).
An other highlight is the cooperation with the magazine Songlines, where we are preparing showcases and a special CD-issue about Austria!

Otherwise, I presented  femous: 360° women in music – our platform for famous female culture to my colleagues, established good partnerships in many European, South- and North American countries,  had great meetings with the ladiezz from the Women of the World network…The result is amazing!

We will have femous nights all over Europe! An exchange concept that will open new markets for female artists and feature new and known talents! Check out our Website www.femous.at & – if female leaded – submit your projects!
And that’s not enough. I will work more on Brazilian music in the future, joining forces with the Brazilian Exchange Offices and bringing great Brazilian artists to Austria. Célia Mara entered in a partnership with Orquestra Voadora from Rio de Janeiro, working on old Carnival songs… and!!!! in a partnership with amazing Elza Soares – I admire this lady so much!

so… keep on groovin’- we’re ready to confront the global crisis with global grooves!

Politik ist gefragt!

14 October 2011 13:40

Ich freue mich, am “Kulturpolitisches Gespräch zu Internationalen Kulturkooperationen” teilzunehmen…
Dank meines Focus auf Gendergerechtigkeit und der langen Erfahrung mit Kultur- und v.a Musikkooperationen vor allem mit Brasilien, sehe ich viele Möglichkeiten, wie wir in Österreich starke Impulse setzen könnten…
Hier nur mal die Vorankündigung!
Freitag, 25 November 2011, 13.00 – 17.00
Albert Schweitzer Haus, 1090 Wien

Das österreichische Parlament beschloss 2006 einstimmig die Konvention die Unesco-Konvention über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen in Kraft. Darin wird explizit die Zusammenarbeit zu Gunsten der Entwicklungsländer festgehalten, um das Entstehen eines dynamischen Kultursektors voranzutreiben. Vergleichbare europäische Länder haben ihre Strategien entwickelt. Die Schweiz hat das „Kulturprozentprinzip eingeführt. Es erlaubt ein oder mehr Prozent der Entwicklungsetats in den Partnerländern werden für Kunst und Kultur einzusetzen. Die skandinavischen Länder sehen in Kunst und Kultur eine zentrale Säule von nachhaltiger Entwicklung und Demokratie.
Wie sieht die österreichische Praxis dazu aus? Was ist seit der Ratifizierung durch das Parlament geschehen? Welche strukturelle Verankerung und Strategien gibt es in Österreich? Welche inhaltliche Anliegen werden damit verknüpft? Kann es zwischen Arm und Reich überhaupt einen Austausch auf Augenhöhe geben? Wird der vielzitierte Dialog der Kulturen aus Südperspektive nicht als Imperialismus auf Samtpfoten empfunden? Welche Rolle spielen Kunst und Kultur bei den Umwälzungen in Nordafrika?
Diese und andere Fragen sollen beim kulturpolitischen Gespräch mit PraktikerInnen, KünstlerInnen und KulturpolitikerInnen diskutiert werden.

Programm

13:00 Begrüßung und Einführung: VIDC, ÖUK (Franz Schmidjell)
Impuls: Kulturelle Zusammenarbeit aus Südperspektive
Basma el Husseiny (Al Mawred Al Thaqafy, Ägypten / ARTERIAL Network, Afrika)
14:00 Praxis Panel: Spotlichter von Akteur/innen: ÖUK und VIDC (Yvonne Gimpel, Franz Schmidjell)
KünstlerInnen kommentieren Basma el Husseiny‘ Beitrag, berichten von ihren Erfahrungen und präsentieren erfolgreiche Projekte und Kooperationen
15:30 Politikpanel – Podiumsdiskussion (Gabriele Eschig)
- BMeiA: SL Eichtinger (angefragt)
- BMUKK: Hanspeter Huber (angefragt)
- zwei Künstlerinnen/Kuratorinnen: Silvia Jura (angefragt)
- Eva Schlegel oder Marion Stemberger (angefragt)
17:00 – 18.00 Networking und informeller Austausch bei Getränken und Imbiss