Autor: silvia

  • Mensch Macht Natur

    Mensch Macht Natur

    Der Klimawandel ist menschengemacht.

    Wir tragen Verantwortung für unsere Umwelt, unser Klima, den Umgang mit Ressourcen.

    80% der Biodiversität dieser Welt ist in indigenen Territorien erhalten.

    Was können wir von Indigenen Völkern und dem Konzept des Buen Vivirs, des guten Lebens für alle lernen? Und vor allem – wie können wir lernen?

    Wenn wir sagen, dass unser Fluss heilig ist, sagen die Leute „Das ist eine Folklore von ihnen„. Wenn wir sagen, dass der Berg zeigt, dass es regnen wird und dass dieser Tag ein erfolgreicher Tag, ein guter Tag sein wird, sagen sie:  „Nein, ein Berg sagt nichts“. Wenn wir den Fluss, den Berg entpersönlichen, wenn wir ihnen ihre Sinne nehmen, indem wir die Sinne als ausschließliches Attribut des Menschen betrachten, lassen wir diese Orte zu Abfallprodukten industrieller und extraktivistischer Aktivitäten werden„.  Ailton Krenak: Ideen zur Aufschiebung des Weltuntergangs

    Bundesfachtagung Globales Lernen: Vortrag Silvia Jura // https://padlet.com/silviajura/mensch-macht-natur-ufwtjf057c3tdh1q

    Das Buen Vivir bietet einen ganzheitlichen Zugang zu Mensch, Wirtschaft, Natur, Kosmos. Alles ist mit allem verbunden, wir Menschen sind nur ein gleichberechtigtes Teilchen des großen Ganzen und sollen unseren Beitrag dazu leisten.

    Der Kapitalismus und sein Extraktivismus, der schonungslose Umgang mit der Natur und ihren Ressourcen, der schrankenlose Individualismus und Egoismus stehen einem kollektiven Denken, wo die Gemeinschaft aller Lebewesen im Vordergrund steht, gegenüber.

    Beim Klimabündnis arbeiten wir seit 30 Jahren lokal an globalen Zusammenhängen: Österreichische Gemeinden unterstützen die indigenen Völker im Regenwald, ihre traditionelle Lebensweise und Philosophie am Leben zu halten. So wird die globale Kohlenstoffsenke Regenwald vor Abholzung und illegalen Minen weiter geschützt. Und hier, in Österreich, tragen wir mit lokalen Maßnahmen aktiv zum Klimaschutz bei. Nur gemeinsam können wir den Klimawandel bekämpfen..

  • Thermostat leuchtet ROT

    Thermostat leuchtet ROT

    Was haben die SDG’s und die Agenda 2030 mit unserem Leben zu tun, fragen sich viele. 

    Nun, die gute Nachricht ist, dass wir so den Klimawandel in die Hand nehmen könnten. Mit der Agenda 2030 wird die Klimakrise leichter verständlich, es finden sich konkrete Handlungsspielräume. Die 17 Ziele zur nachhaltigen Entwicklung sind ein Kompass, der uns die Planung und Umsetzung von lokalen Maßnahmen ermöglicht. 

    Ob bezahlbare und saubere Energie, nachhaltige Städte und Gemeinden, ob Bildungs-, Gleichstellungs- oder Gesundheitsprogramme oder globale Partnerschaften: wir haben viele Möglichkeiten, auf lokaler Ebene aktiv gegen den Klimawandel aufzutreten. Und das ist dringend nötig! 

    Denn leider kommt vom Weltklimarat die schlechte Nachricht: wir steuern im Eiltempo auf die Erderhitzung von 1,5 Grad zu, das Klimaziel von Paris 2015 wird damit unrealistisch. In Österreich erleben wir den Klimawandel bereits, den schneelosen Wintern folgen Hitzeperioden, Dürren, Stürme oder Überschwemmungen. In Österreich hat seit Beginn der Industrialisierung die Temperatur um rund 2 Grad zugenommen (im Vergleich zur vorindustriellen Periode 1850-1900). Alleine in den letzten rund 30 Jahren wurde es in Österreich zwischen 1,0 und 1,5 Grad wärmer. Die Erwärmung betraf alle Regionen und Höhenlagen ähnlich. 

    Es ist unsicher, ob sich der Thermostat der Erde zurückdrehen lässt. 

    Neben dem sofortigen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen können wir aktiv bestehende natürliche Kohlenstoffsenken schützen und erweitern. Das gilt für unsere Wälder, Moore und Brachländer genauso wie für den Regenwald. 

    Das Klimabündnis ist seit 1993 am Rio Negro aktiv. Mit der Hilfe all unserer Klimabündnisgemeinden gelang es unserer Partnerorganisation FOIRN, dem Dachverband der Indigenen Organisationen des Rio Negro, eine Fläche von 136.000 KM2 (1,6 x Österreich) Regenwaldgebiet dauerhaft als indigenes Land zu schützen. So werden ca. 27 Milliarden Kohlenstoff jährlich gebunden!  

    Demarkiertes, indigenes Land ist der beste Schutz vor Abholzung. 

    Die neue Regierung Brasiliens unter Präsident Lula hat mit dem Ministerium der indigenen Völker unter Sonia Guajajara einen wichtigen Schritt in Richtung Sicherung der indigenen Landrechte gesetzt. 

    Trotzdem kommen auch 2023 noch viele schlechte Nachrichten aus Brasilien:  

    Im Jänner schockierte uns die Bekanntgabe der humanitären Katastrophe im Yanomami-Land. International organisierte, iIllegale Goldgräberei hat zur Vergiftung der lokalen Gewässer durch Quecksilber und eine damit ausgelöste Ernährungskrise geführt. Die Vertreibung der Yanomamis durch Gewalt, Hunger, Krankheiten und gezielte Vergewaltigungen aus dem Gebiet wurde durch die vorherige Regierung Bolsonaro gefördert! Als erste Hilfsaktionen konnten noch im Jänner mobile Gesundheitseinheiten und Nahrungsmittel in die Region geschickt werden, das Militär wird gegen die Goldgräber eingesetzt. 

    Doch schon im Februar kam die nächste Hiobsbotschaft: Rekordabholzung im Regenwald!  

    Hier wird dringend ein ebenso entschlossenes Eingreifen wie im Falle der illegalen Goldgräberei erwartet. Brasiliens Institutionen für Natur- und Umweltschutz wurden jedoch zwischen 2018 und 2022 so geschwächt, dass sie derzeit kaum handlungsfähig sind. Die Budgets wurden aufs Minimum reduziert, erfahrene  Führungskräfte und Mitarbeiter:innen durch Bolsonaros Mittelsmänner ersetzt.  

    Die Aufgaben für die neue Regierung in ihrem Kampf für das Weltklima sind mannigfaltig. Der Schutz des Regenwaldes braucht auch unsere Mithilfe.  (Auszug aus dem Klimabündnis-Newsletter)

  • Neue Zeitrechnung in Brasilien

    Neue Zeitrechnung in Brasilien

    Cerimônia de posse do presidente da República, Luiz Inácio Lula da Silva no Palácio do Planalto Foto:Tania Rego@Agencia Brasil

    Eine Regierung aus dem Volk 

    Mit seinem herzerwärmenden Regierungsantritt am 1.1.2023 hat Präsident Lula da Silva die neue Richtung Brasiliens vorgegeben. Der Kampf gegen Hunger, soziale Ungerechtigkeit und die Wiederherstellung der Demokratie sind ebenso wie der Schutz der Umwelt und der Indigenen Völker vorderste Ziele. Reindustrialisierung und ein neuer Weg der Entwicklung stehen am Programm der breiten Rechts-Links Koalition.  

    Brasiliens Indigene an der Macht! 

    Endlich über das eigene Schicksal bestimmen! Nach 522 Jahren Unterdrückung, Verfolgung, Enteignung wird so unter Präsident Lula da Silva der Weg zur postkolonialen Gerechtigkeit eingeschlagen. Erstmals können die 305 indigenen Völker Brasiliens über ihr Schicksal mitbestimmen. Die Amtsübergabe an Präsident Lula wurde symbolisch vom 90 jährigen Cacique Raoni begleitet. Mit Sonia Guajajara steht eine erfahrene Kämpferin an der Spitze des neu gegründeten Ministeriums für indigene Völker, die Rechtsanwältin Joênia Wapichana übernimmt die Leitung der FUNAI und ist für die Anerkennung der Landrechte zuständig. Und der junge Rechtsanwalt Weibe Tapeba wird Sekretär für indigene Gesundheit, eine Herausforderung nach dem COVID-Desaster unter Bolsonaro.  

    Sonia Guajajara versteht ihre Position als Ergebnis einer kollektiven Kandidatur und vertritt die Interessen aller indigener Völker Brasiliens. Die Anerkennung indigener Landrechte und der Schutz vor Genozid stehen an erster Stelle, ebenso wird sie sich als Ministerin für gleichberechtigten Zugang zu Bildung und Gesundheit einsetzen.  

    Klimagerechtigkeit ist für die Agrarlobby Brasiliens ein rotes Tuch 

    Lula’s radikale Wende in der Umwelt- und Klimapolitik gefällt nicht allen. Die medienwirksamen Krawalle vom 8 Jänner werden durch landesweite Terroraktionen auf die Infrastruktur begleitet. Nach über 1500 Festnahmen zeigt sich, dass es einen genau abgestimmten Chaosplan gibt. Viele Fäden laufen bei den „Amazonas-Herren“ der illegalen Abholzung, des Goldabbaus und des Landraubs zusammen. Brasiliens finstere Vergangenheit, die unter Bolsonaro wieder aufgeblüht war, ringt nach der ihr entgleitenden Macht. Brasilien ist knapp einem Putsch eintronnen.

    Manifestantes invadem Congresso, STF e Palácio do Planalto.
  • Brasiliens Aufbruch unter Lula 2023:  

    Brasiliens Aufbruch unter Lula 2023:  

    Kehrtwende in der  Klimapolitik, neue Hoffnung für den Amazonas und uns alle? 

    Die hausgemachte Klimakatastrophe Brasiliens 

    Brasiliens scheidender Präsident Jair Bolsonaro hat den Amazonas als Trümmerhaufen hinterlassen. In seiner Amtszeit wurde eine Fläche so groß wie Belgien zerstört, illegale Brandrodungen und Landraub standen vier Jahre lang an der Tagesordnung. Die indigenen Völker wie auch die Kleinbauern erlebten ein unbeschreibliches Ausmaß an Gewalt. Morde, Vergewaltigungen und Entführungen blieben unbestraft, indigene Gebiete wurden laufend durch Goldgräber und die bewaffneten Handlanger der Viehzüchter überfallen.  
    Die Auswirkungen sind für uns alle spürbar: die CO2 Emissionen des Amazonas haben sich in diesem Zeitraum verdoppelt – und liegen erstmals über der CO2 Absorption des Regenwaldes! 

    COP 27 – ein Lichtblick für den Amazonas? 

    Der antretende Präsident Lula da Silva hat in einer bewegenden Rede bei der COP 27 in Sharm el-Sheikh der Welt angekündigt, dass er die Klimapolitik als zentrales Anliegen seiner künftigen Regierung versteht und seinen totalen Einsatz für den Regenwald versprochen. Dies will er durch eigene Ministerien und Regierungsstellen garantieren. 

    Geplant ist dafür u.a. eine regierungsführende, ministerienübergreifende und international agierende zentrale Umwelt- und Klimakoordinationsstelle. 

    Zur Vorbereitung des Regierungswechsels im Jänner 23 wurden bereits parteienübergreifende Übergangskommissionen gebildet, deren Aufgabe die umfassende Bestandsaufnahme und die Vorbereitung des Regierungsagenden der einzelnen Ministerien ist.  

    So finden sich in der Kommission des Umweltministeriums die Ex-Umweltministerinnen Marina Silva und Izabella Teixeira, welche beide als potentielle Ministerinnen gehandelt werden. 

    Das Ministerium der indigenen Völker und die indigene parlamentarische Vertretung 

    Die Aufgaben dieses Ministeriums sind bis jetzt noch nicht klar definiert und sollen durch die Übergangskommission erarbeitet werden. Auf jeden Fall soll es die nationale indigenen Politik neu erarbeiten, Schutz und Demarkation der indigenen Territorien, Gesundheits-, Wirtschafts- wie auch Bildungsagenden übernehmen.   

    So ist die Kommission für dieses Ministerium mit wichtigen Vertreter:innen der indigenen Gesellschaft besetzt. Zu nennen wären da Sonia Guajajara und Célia Xakriabá, Joenia Wapichana sowie die Vertreter:innen einzelner Völker, wie der Philosoph David Kopenawa Yanomami, der Schamane Benki Piyãko der Ashaninka oder Beto Marubo / Vale do Javari.  

    Die besonders gute Nachricht für das Klimabündnis ist, dass der Präsident unserer Partnerorganisation FOIRN, Marivelton Baré, Mitglied der Übergangskommision ist. Als gewählter Vertreter der indigenen Völker des Rio Negro und somit des größten zusammenhängenden Feuchtgebietes des Amazonas steht er für den Schutz und die Umsetzung indigener und umweltpolitischer Rechte in der Region. Er stellt seine Erwartungen an die Kommission klar: “Die indigenen Rechte müssen jetzt in einem partizipativen Prozess wieder neu aufgebaut werden, sowohl das neue Ministerium als auch die staatliche Indigene Stiftung FUNAI müssen von indigenen Vertretern geleitet werden.” Marivelton verlangt, dass staatliche Politik nicht ohne Konsultationsprozesse mit den indigenen Völkern umgesetzt werden darf.  

    Dies bedeutet auch, dass die Arbeit, die in den letzten 30 Jahren in Zusammenarbeit mit dem Klimabündnis Österreich stattgefunden hat, in der Ausarbeitung der Agenden für das Ministerium wegbereitend sein wird. Organisationsentwicklung, die Stärkung nachhaltiger Bewirtschaftungssysteme des Regenwaldes, die Förderung von Gemeinschaftsinitiativen und die Einkommensschaffung stehen auf der Besprechungsagenda. Indigene öffentliche Politik wird diesen Forderungen nachkommen müssen.  

    Wer wird indigener Minister oder Ministerin? 

    Die Bestellung des Ministers oder der Ministerin erfolgt durch konsensuale Vorschläge der indigenen Völker und nicht durch alliierte Regierungsparteien. Unter den Favoriten für den Ministerposten ist die in Regierungsarbeit erfahrene, erste gewählte indigene Abgeordnete Joenia Wapichana. Doch auch über Sonia Guajajara, die sowohl national als auch international die indigene Bewegung ins Zentrum rückte, besteht weitgehend Konsens. 

    Sonia wurde jedoch 2022 zur Abgeordneten gewählt und führt gemeinsam mit Célia Xakriabá die wortgewaltige “Fraktion des Federschmucks” an, auf der große Hoffnungen liegen: die beiden kämpferischen Frauen sollen die parlamentarische Fraktion des Agrobusiness in Schach halten und Gesetze, welche dem Regenwald und seinen Bewohner:innen schaden, verhindern.  

    Das Klimabündnis Österreich als Partner 

    Brasilien 2023, unter Präsident Lula, hat sich mit dieser Agenda, und vor allem durch die Einbindung der indigenen Völker in die nationale Umweltpolitik, wieder als Keyplayer in Sachen Klimagerechtigkeit auf die Weltbühne katapultiert.  
    Das Engagement des Klimabündnis als internationaler Partner der indigenen Organisationen am Rio Negro wird daher in den nächsten vier Jahren noch stärker und positiver wirken, unsere projektbezogene, emanzipatorische Unterstützung – auch in Sachen Anwaltschaft auf nationaler und internationaler Ebene, ist wichtiger denn je. Schützen wir gemeinsam den Regenwald!  

    Silvia Jura da Silva, Projektleitung Klimagerechtigkeit  beim Klimabündnis Österreich

  • Gewalt gegen Frauen

    Gewalt gegen Frauen

    Was ist Gewalt? Ein blaues Auge, körperliche Misshandlung? Vergewaltigung, Nötigung zum Sex? Oder ist es die zugeflüsterte Bedrohung, das untersuchte Handy, die versperrte Haustüre, Beleidigungen im Netz, der Ex an der Straßenecke oder gar die geplante Zwangsehe?

    Gewalt hat unzählige Gesichter – wir wissen nicht, wann einem hingeworfenen Wort eine lebensgefährliche Handlung folgen kann. Oft können Frauen als Gewaltbetroffene das nicht richtig für sich selbst einschätzen. Angst, Hoffnung, Schuldgefühle, Pflicht oder Einsamkeit vernebeln die Wahrnehmung. Und die Scham, darüber zu sprechen, jemanden zu beschuldigen, jemanden vor der Nachbarschaft oder der Familie bloßzustellen, entlässt die erfahrene Gewalt in die Verdrängung.

    2022 wurden in Österreich 27 Frauen ermordet, 24 weitere überlebten einen Mordversuch oder wurden Opfer schwerer Gewalt. Meistens hätte die Gewalt verhindert werden können.

    Ich bin schon eine Zeit lang beim helpchat für gewaltbetroffene Frauen als Online-Beraterin aktiv. Aus Überzeugung! Ich glaube an die Kraft, die in jeder von uns steckt, an die solidarischen Netzwerke, an erste Hilfe-Institutionen, die Leben retten können. Wir sind eine erste Anlaufstelle, um Frauen in die Selbsthilfe zu bringen, sich selbst zu schützen, sich zu informieren. Wir helfen unseren Klientinnen, zu begreifen, was da genau passiert. Und daraus rechtzeitig Konsequenzen zu ziehen.

    Mir gefällt die Anonymität, wir sind ein geschützter virtueller Frauenraum. Jede kann frei losschreiben, ihre Ängste, Wahrnehmungen, Erfahrungen einfach in privaten Chats, mit einer von uns Beraterinnen teilen. Wir unterstützen die Frauen in ihrer Selbstfürsorge, beraten sie, wie sie mit dem Erlebten umgehen können, gemeinsam erarbeiten wir Auswege aus der Gewalt. Jeder Chat, jede Userin bringt eine neue Herausforderung. Kultureller Background, psychologische Hintergründe, Familienverhältnisse, soziales Umfeld – all das gehört in der Lösungssuche berücksichtigt.

    Teil des Helpchats Teams zu sein, gemeinsam mit engagierten psychosozialen Beraterinnen, Psychologinnen, Juristinnen und Gewaltspezialistinnen zu arbeiten und Frauen in ihrem Kampf gegen Gewalt zu unterstützen, gibt mir Hoffnung. Emanzipatorische Beratung verändert täglich ein kleines Stück vom Leben!

    helpchat: Onlinebeberatung anonym und kostenlos, ohne Wartezeitenin vielen Sprachen!

    Täglich 18:00-22:00, Fr. auch 9:00 – 11:00 https://www.haltdergewalt.at/


  • Shane Tatxa Kaya

    Shane Tatxa Kaya

    350 Km bis Rio Branco, 1800 Km nach Manaus, 2500 Km nach Lima/Peru, 3500 Km nach Brasilia… Das Dorf Shane Taxta Kaya liegt bei Feijó, im Bundesstaat Acre, im westlichen Amazonas. Es wird auch das Frauendorf genannt – nicht nur weil es vorwiegend von Frauen bewohnt wird, sondern weil fast alle politischen, religiösen und sozialen Funktionen von Frauen getragen werden. Dies ist im Kontext der patriarchalen Kultur der Shanenawa bemerkenswert und hat feministischen Vorbildcharakter.

    Ihr Verein Yushãtxü, der der Schlangenfrau, der größten Göttin gewidmet ist, ist ein innovatives Sozialunternehmen. Damit betreiben die Shanenawa Frauen ihr lokales Kunsthandwerk, ökologische Waldwirtschaft und fördern die traditionelle Kultur.

    Für das vom peruanischen Forum der indigenen Frauen „FIMI – Fonds AYNI“ geförderte Projekt „Xinã inihuã tapiã maninipa – el bello conocimiento de las mujeres” begleite ich die Frauen in Projektentwicklung und -umsetzung, bin für Teamcoachings und Kommunikationsprozesse verantwortlich. Ein Frauenkulturhaus, begleitet von kollektiven Bildungsprozessen, wird vor Ort errichtet. Gleichzeitig wird ein audio-visuelles Team aufgebaut, das Kultur, spirituelle Dienstleistungen und Handwerksprodukte virtuell präsentiert und vertreibt.

  • wilde Blüten

    wilde Blüten

    silvias.net hat sich im digitalen Raum aufgelöst… mit all seinen Geschichten, den Projekten der letzten Jahre, den Festivals und Netzwerken, der Musik von Célia Mara, den Dokumentationen, der politischen Berichterstattung zu Brasilien, den vielen Fotos und Videos. Ein Stück meiner Geschichte ist gegangen.

    Loslassen – mehr kann ich dazu nicht sagen.

    Im zwischenzeitlichen Corona-Rückzug haben sich neue Perspektiven eröffnet… über die ich hier berichten werde.

    So begleite und berate ich seit Beginn 2022 das Projekt Yushãtxü – ein öko-sozialer emanzipatorischer Prozess von Shanenawa Frauen im Amazonas.

    Nach meinem Diplom zum systemischen Coach an der St. Gallener Coach-Akademie bin ich nun als psychosoziale Beraterin und Mediatorin aktiv, noch in Ausbildung, unter Supervision. Sehr spannend… und eine echte Leidenschaft.

    Und so arbeite ich – recht langsam – an meinem aktuellen Erscheinungsbild, publiziere ein bisschen, und versuche, meine Seite wieder in Form zu bringen.

    Ich hoffe, dass wir uns hier bald wiedersehen. Es gibt viele Neuigkeiten.

  • Diskussionsveranstaltung: Brasilien am Scheideweg – hat die Demokratie eine Chance?

    Diskussionsveranstaltung: Brasilien am Scheideweg – hat die Demokratie eine Chance?

    Diskussionsveranstaltung: Brasilien am Scheideweg – hat die Demokratie eine Chance?

    Am 3.10.2018 hatten wir eine Runde Brasilienexpert_innen eingeladen, um im Lateinamerika-Institut über den bevorstehenden Wahlgang zu diskutieren. Und ich muss gestehen, ich bin tief besorgt. Und so waren es auch unsere Diskutant_innen, die letzten Umfrageergebnisse lassen uns bis zuletzt zittern.

    Hier die Einleitung zu unserer Diskussion, die ich moderiert habe. Ein Audio-Beitrag folgt in Kürze, die Wiener Zeitung hat einen sehr informativen Artikel dazu geschrieben. (Wiener Zeitung)

    Am 7. Oktober entscheiden 145 Millionen Brasilianer_innen, davon 77 Millionen Frauen, über die Zukunft ihres Landes.
    Aber schon vorweg wurde 3 Millionen Menschen das Wahlrecht in einer schnellen Aktion der Wahljustiz entzogen, die eine neuerliche biometrische Registrierung erforderte und so v.a. den in abgelegenen ländlichen Regionen und den sozial Schwachen und Uniformierten den Zugang zur Urne verwehrt.

    Inmitten des herrschenden „Lawfare“- Szenarios wirkt der brasilianische Wahlkampf wie ein letzter Aufschrei vor dem Ende der Demokratie. Justiz und Medien zeigen keinerlei Unparteilichkeit, im Gegenteil, sie arbeiten offensichtlich an der Zerstörung der brasilianischen Sozialdemokratie, Verfolgungs-, Verleumdungs- und Haßkampagnen gegen die Linke, ihre Führer_innen, sowie gegen fast alle Minderheiten prägen den Alltag.

    Den Worten folgen die Taten: die Gewalt wird auch umgesetzt – Militärs und private Milizen ermordeten alleine im Jahr 2017 über 300 Indigene Führer_innen, Vertreter_innen der Landlosenbewegung, Umwelt- und Menschenrechtsaktivisten sowie Politiker_innen der Linken.
    Einen Höhepunkt bildete die Hinrichtung der lesbischen, schwarzen Favelavertreterin und Gemeinderatsabgeordneten Marielle Franco, eine der politischen Hoffnungen der Linken in Rio de Janeiro.
    Die Verleumdungskampagne gegen Luis Inacio Lula da Silva gipfelte in seiner Verhaftung und einer Verurteilung im Schnellverfahren. Lula kann als Brasiliens prominentester politischer Gefangener gewertet werden.

    Seit der Machtübernahme durch Michel Temer 2016, dem Impeachment der Präsidentin Dilma Roussef, das aus heutiger Sicht keine rechtlichen Grundlagen hatte und daher als parlamentarischer und medialer Putsch gewertet werden kann, ist das Land in eine tiefe Krise geschlittert.

    Die Wirtschaft stagniert bei einem Wachstum von 1% per anno, der Reallohn ist gesunken, die Unterbeschäftigung bzw. Beschäftigungslosigkeit liegt bei 4,8 Mio und die Arbeitslosigkeit ist auf 13 Mio gestiegen; 1,5 Mio Menschen sind in einem Jahr in die absolute Armut gefallen. Brasilien ist bereits wieder auf der Welthungerkarte zu finden.

    Das Wirtschaftsprogramm, das exakt auf das 1% der Reichsten Brasiliens zugeschnitten war – knappe 900000 Wähler_innen, ist als ausgesprochen neoliberal zu bezeichnen: eine Privatisierungswelle des Staatseigentums (zuletzt wurden 75% der Petrobras an Exxon, Chevron und Shell verschleudert), das Einfrieren bzw. Senken der öffentlichen Ausgaben für Gesundheit, Bildung und Infrastrukturmaßnahmen, die Arbeitsreform, die die Rechte der Arbeitnehmer_innen auslöschte sind nur die markantesten Beispiele.

    Temers Kabinett ist von Korruptionsskandalen geprägt, Ungestraftheit ist an der Tagesordnung. Temer selbst ist nachgewiesenermassen in Korruption verwickelt, Aécio Neves, der General des Impeachments, entkam nur dank eines freundschaftlichen Urteils der Obersten Richterin Carmen Lucia dem Gefängnis, kann sich kaum in der Öffentlichkeit zeigen. Das große Thema Brasiliens, der Kampf gegen Korruption, wurde in einen Kampf gegen die Linke umgewandelt – Temer vom MDB und seine Allierten vom PSDB sind verwickelt, jedoch größtenteils ungestraft.

    Das wirkt sich im Wahlkampf aus:
    Das enttäuschte Brasilien spaltet sich zwischen dem rechtsextremen, mysogenen, homophoben und rassistischen Kandidaten Jair Bolsonaro, der Gewalt und, gemeinsam mit seinem Vizekandidaten General Mourão Neoliberalismus pur predigt und einer verletzen und schwer angegriffenen Linken hinter Fernando Haddad, Lulas designiertem Nachfolgekandidaten.

    Militärintervention wurde mehrfach angedroht, das Ultra-Neoliberale Projekt, das fast eine komplett Privatisierung des Staates vorsieht, hängt wie ein Damoklesschwert über dem Land.

    Auffällig ist die große Zahl an weiblichen Kandidatinnen für Senat und Abgeordnetenkammer, besonders die Präsidentschaftsvizekandidaturen von Manuela Davila des PcdB und der Indigenen Sonia Guajajara / PSOL, zeigen, dass die Frauen in diesem Wahlkampf mitentscheiden wollen. Ihnen stehen jedoch viele konservative Kandidatinnen gegenüber, die den StatusQuo erhalten möchten.
    Im September bildete sich die überparteiliche Initiative Mulheres Unidas contra Bolsonaro, die Millionen von Frauen am 29.9. auf die Straße brachte, um gegen Faschismus und Mysogenie zu protestieren und die Wahl des Rechtsextremen zu verhindern. Ob es gelingt, wird sich zeigen.

    Mit unter 3% Akzeptanz geht Temer selbst als unbeliebtester Präsident aller Zeiten in die Geschichte ein und tritt nicht einmal zu den Wahlen an. Der von der Globo gepuschte Kandidat Geraldo Alckmin (PSDB) wird zur Hillary Brasiliens, dem Kandidaten des Establishments. Alle 50 Schattierungen von Temer, wie Guillerme Boulos sie ironisch genannt hat, stehen vor dem politischen aus: Geraldo Alckmin (PSDB), Henrique Meirelles (MDB), Marina Silva (Rede), Alvaro Dias (Podemos), João Amoêdo (Novo) liegen in den Umfragen zwischen 1 und 8%, gemeinsam erreichen sie nicht einmal 21%.
    Lula, der aus dem Gefängnis bis zuletzt um seine Kandidatur kämpfte, lag, bis zum endgültigen AUS am 1 September, mit rund 41% klar in den Umfragen in Führung.
    Erst durch seinen Ausschluss gelang Bolsonaro der kometenhafte Aufstieg von 12% zu den heutigen über 30%.
    Lulas designierter Kandidat, Fernando Haddad, der erst seit September im Rennen ist und mit 6% den Wahlkampf begann, konnte innerhalb kürzester Zeit in den Umfragewerten mit 24% bis an Bolsonaro herankommen und liegt jetzt bei 21%.

    Einzig Ciro Gomes, der sich zuerst als Kandidat Lulas, dann jedoch als erbitterter Gegner des PTs positioniert, kann auch im vorderen Drittel der Umfragen mitspielen. Er sieht für sich große Chancen, die moderaten Stimmen rechts der Mitte zu vereinigen.

    Der Wahlausgang ist auch 4 Tage vor der Wahl absolut unvorhersehbar, Bolsonaro, Haddad und Ciro haben alle drei konkrete Chancen, in den 2 Wahlgang zu kommen – und die Schlussduelle versprechen höchste Brutalität. Das Land ist gespalten, die Ablehnung gegen Bolsonaro liegt bei 44% zu 38% gegen Haddad.

    Wie es soweit kommen konnte und was für Perspektiven sich für den Giganten Lateinamerikas ergeben, haben wir am 3.10. im Lateinamerika Institut diskutiert.