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Archive for the 'politics' category

Tot. Einfach so.

8 February 2012 1:52

marcelo_n

Marcelo wurde gerade eben ermordert. Beim Campo Santo, dort wo wir unsere ersten Jahre in Salvador meistens gewohnt hatten. Marcelo, der Tänzer von der Fundação. Ein Schüler von Frank, unserem Freund und Mitbewohner.
Der Krieg ist bereits im Nachbarviertel. Wir sitzen in unseren kleinen Favela, angeschmiegt an die Küste, wie verloren inmitten der Hochhäuser der Reichen. Und fürchten uns.
Heute wurden bereits 135 Tote – manuell – gezählt. (was immer das auch heissen mag). Das Parlament ist von den Militärs umzingelt, das Gericht hat unter Strafandrohung Montag Mitternacht die Herausgabe der Kinder verfügt, die als Geiseln der streikenden Eltern gehalten werden.?!__?
Die Militärs wollen keine Gewalt – es kommt zu Tränengas und Gummigeschoss-Scharmützeln – trotzdem. Die Streikenden provozieren, das Militär bleibt ruhig. In Peri Peri wird gemetzelt. Die Geschäfte, die trotz der gestrigen Warnung aufgemacht hatten, werden geplündert… und mehr!
Die Situation eskaliert stündlich.
Um 16.00 wird Marcelo im Zentrum ermordet. Wir wissen nicht, von wem & wie. Es war am Tag.
Und jetzt hören wir, dass sie in Bocca do Rio einfach in die Menge geschossen haben. Sie löschen die Bevölkerung aus. Keine Armen. Keine Schwarzen. Die Oligarchie will wieder an die Macht. Das Projekt PT; das die Armut in den letzten Jahren fast abgeschafft hat, ist zu erfolgreich. Zu viele neue Intellektuelle, zu viele neue Erfolgreiche. Zu viel neue Mittelschicht, die mitreden will.
Angst machen. Militär oder Polizei. Sonst bricht der Staat zusammen.
Die WM kommt bald – da gibt es viel zu verteilen, in Salvador.
Die Streiks sollen ab morgen und übermorgen auch auf die Staaten Brasilia, Rio de Janeiro, Espirito Santo ausgeweitet werden.

Hier ein paar Impressionen:

http://news.linktv.org/videos/brazilian-soldiers-police-clash-in-salvador

Hier noch ein paar Gedanken, die ich nicht fertig formuliert habe… verbreitet die Notiz, wir brauchen internationalen Wirtschaftsdruck auf Brasilien – die absolute Unterstützung der Regierung Dilma Roussef, das sofortige Einfrieren der WM – Gelder ecc… Brasilien kann fallen – und das müssen wir verhindern!!!

Ein kleiner Rückblick – Rio de Janeiro – “Favelas Pacificadas”:
Mit dem Programm “befriedete Favelas” werden jene Viertel der unteren Mittelschicht, mit Blick auf Copa Cabana & Co. in wenigen Tagen von Drogendealern & Banditen befreit! Schwupp, weg sind sie. Danach installieren sich PM & Bombeiros im Viertel und übernhemen die Kontrolle – als Friedenstruppen. Sie patrouillieren im Stndentakt, die Straße gehört ihnen. Sie monopolisieren mit Gewalt den Gashandel… Keine fremden Banditen mehr im Revier. Terror mit staatlicher Sanktion. Rio’s Zona Sul gleicht einer mitteleuropäischen Hauptstadt, ruhig, keine Bettler, Straßenverkäufer oder Obdachlose zu sehen. Auch keine Schwarzen. Nur das Meer & die berühmten Strände lassen uns wissen, wo wir sind. Und langsam werden auch die “befriedeten Viertel” Armen-, Schwarzen- und Mittelschichtfrei.

- Sie werden von PM’s & Bombeiros geschützt. Die Drogendealer & Co müssen an die nördliche Peripherie der Stadt ausweichen. Dort gibt es weder Touristen, noch Meerblick.

Wenn Gewalt (k)ein Gesicht hat

7 February 2012 17:04

Ich war wohl zu optimistisch. Als die ersten Regierungstruppen am Samstag 4.2. in Salvador einlangten, dachte ich, dass sich die Streikenden PM’s zurück ziehen würden. Dass es der Regierung ein Leichtes sein würde, mit Drohgebärden den aufständischen Polizisten Respekt ein zu jagen.
Immerhin ist Brasilien die 6. wichtigste Volkswirtschaft der Welt, und die Präsidentin, Dilma Roussef, eine entschlossene Frau, bereit, die Demokratie mit allen Mitteln zu verteidigen.

Doch der Sonntag brachte keine Verbesserung der Lage. Die zu Hilfe gerufenen Regierungssoldaten patrouillieren an den Stränden, in den besseren Vierteln der Stadt, wo ein paar Touristen und Unerschrockene Alltag spielen. Sonst ist es absolut “ruhig”. Niemand weiss, wer wo kommandiert. Seit beginn des Streiks wurden 235 Autos gestohlen. Offiziell sind es am Sonntag bereits 85 Tote.
In der Nacht fordert Parlamentspräsident Nilo die Räumung des durch die streikenden besetzten Regierungsgebäudes. Die Militärs umzingeln das Verwaltungszentrum der Stadt, die Presse wird weggeschickt. In der Nacht kommt es zu kleineren Auseinandersetzungen, Kinder verlassen das besetzte Gebäude.
In den Vierteln der Peripherie kocht es. Schwer bewaffnete Männer überfallen Bars, kleine Geschäfte; Supermärkte und Elektrogeschäfte werden geplündert. Eine besondere Streife räumt mit den Leuten an den Autobusstationen auf – “Handy, Geld her… das ist ein Überfall” schon rollt der Wagen mit den bewaffneten Männern weiter, zur nächsten Haltestelle.
Nur wer muss, geht auf die Straße. Obwohl es dort, wo Plantagenbesitzer und Axé-Stars ihre Luxusappartments haben, wesentlich entspannter zugeht. Die Geschäfte sind offen, Militärs stehen vor den Gebäuden, ein paar Jogger sind unterwegs. Im Delikatessenmarkt läuft eine Frau hysterisch telefonierend auf und ab. Verzweifelt versucht sie, ihr Handy während des Gesprächs zu verstecken… bis ihr jemand sagt: ” alles gut, hier werden sie nicht überfallen, wir sind in Graça”

Mit Einbruch der Dunkelheit flüchten die Menschen von den Straßen. Alle sperren sich ein. Ab 18.00 fahren keine Busse mehr. Die Verkehrspolizei stellt ihre Streifenfahrten ein.
In der Nacht auf Montag kommt es zu Greueltaten. Während wir uns im Twitter und Facebook treffen, heiß über Legitimät oder Illegitimität des Streiks diskutieren, ziehen Todesschwadronen durch die Stadt, erschiessen wehrlose Obdachlose, Leute werden – wahllos – niedergemetztelt. In Engomadeira / Cabula, einem Viertel der schwarzen Mittelschicht, überfallen 4 Bewaffnete eine Bar, fordern alle 5 anwesenden Männer auf, sich an die Wand zu stellen – und erschiessen sie.

Exekution. Das ist Krieg. 10 Tage vor Karnvalsbeginn.
Die Bevölkerung hat genug von dem Terrorzustand im Bundesland. In Süd Bahia wird die MP bei ihren Sympathie-Anwerbeversuchen nicht mehr freundlich empfangen, selbst die Kokosnussverkäufer beschimpfen sie. Niemand hat Verständnis für eine Klasse, deren Gehälter seit 2006 verdoppelt wurden – ein einfacher Militär Polizist verdient 2.500.- Reais; genauso viel wie ein Arzt am Gesundheitsposten, doppelt so viel wie eine LehrerIn… Abgesehen von den sonstigen Vergünstigungen wie 14. Gehalt, die sie im Laufe der Jahre erworben haben.
Der Zeitpunkt des Streiks lässt die Wirtschaft von Salvador zusammenbrechen. Der Tourismus – eine der wichtigsten Branchen – verzeichnet brisante Rückgänge: Nächtigungsstornierungen, ganze Kreuzfahrten werden abgesagt… Das größte Straßenfest der Welt droht zum Megaflopp zu werden!
Aber nicht nur die Hotelbetreiber klagen, die gesamte Kultur liegt brach – die meisten Konzerte sind abgesagt, die Pre-Karnevals Veranstaltungen finden nicht statt. No fun in Salvador!
All die prekären StraßenverkäuferInnen sind in ihrer Existenz bedroht – der Sommer, Karneval, das ist die Zeit des Jahres, wo sie Geld für die nächsten Monate verdienen. Nicht nur, dass der Bürgermeister João Enrique ihnen bereits vor 2 Wochen mit einem Verkaufsverbot gedroht hatte, jetzt ist es durch den Terror in der Stadt so weit: keine StraßenhändlerInnen weit und breit auf Salvadors Straßen!
Auch der Montag bringt keine Besserung der Lage – “ein falscher Sonntag” geistert es durch den Twitter, die Stadt ist extrem ruhig.Die Zahl der Toten ist auf über 100 gestiegen, die Streikenden weigern sich, das Parlament zu räumen und drohen, dass der Streik sich nach Rio de Janeiro ausweiten wird. Andere regionale Polizeigewerkschaften solidarisieren sich mit den Streikenden und geben der Regierung präventiv alle Schuld an einer eventuellen Gewaltlösung. Während die Regierung Dilma Roussef und Parteikollege Gouverneur Wagner versuchen, den Konflikt ohne Gewalt zu beenden, macht die Militärpolizei weiteren Druck. Sie reagieren auf keinen Einschüchterunngsversuch, suchen die Eskalation.
Am Montag abend werden die Geschäftsleute des Viertels PeriPeri schriftlich bedroht, ihre Geschäfte am Dienstag nicht mehr auf zu machen.
Der Terror der PM’s wird von der normalen Bevölkerung nicht mehr akzeptiert. Zögernd, aber immer bestimmter kommt ein Nein zum Terror. Ein Terror, den die Schwarzen, aber auch die anderen BewohnerInnen der Armenviertel und an der Peripherie, die Obdachlosen schon lange kennen. Ein Terror, der institutionalisert ist – keine Polizeihilfe, wenn sie gebraucht und von der normalen Bevölkerung gerufen wird, sond willkürliche Blitzes gegen junge schwarze Männer – meist mit Toten und Verletzen verbunden! Dabei geht es angeblich meistens um Drogenhandel.
Nur zur Erinnerung: die PM war das “Ordnungsinstrument” des Antonio Carlos Magalhães, der Bahia mit brutalster Hand an die 40 Jahre regiert hatte.
Während im facebook und Twitter immer mehr Menschen ein sofortiges Ende des Streiks fordern, die Zeitungen von São Paolo bereits über den fehlenden Rückhalt in der Bevölkerung berichten, sind die Intellektuellen der Mittelschicht noch immer am diskutieren, ob es nicht einfach legitimes Streikrecht und die Polizisten zu unterstützen seien. Aber Ausflug in die Peripherie wollen sie keinen machen… und sicher keine Demo!

Im Nachtquartier

24 August 2011 12:11

…habe ich gestern mit Dorothée Frank über Bahia, Casa Matria, Candomblé, Crack Dealer und vor allem viel gute Musik geplaudert. Es hat Spass gemacht…
Hier gibt es die Sendung online zum Nachhören bei Ö1 (7 Tage lang).
Versprochen habe ich den HörerInnen ein paar Links und Literaturtipps.

Musik:
Célia Mara - die Künstlerin, die zwischen Brasilien und Österreich die Menschen bewegt.
BMA Webseite des brasilianischen Musik Export Büros
Bahia Music Export - neue Musik aus Bahia
Labels:
Trama – das Label von Elis Regina’s Söhnen: Nu Brazil & junge Artists & eine große Download Area…
Biscoito Fino – neue MPB vom Feinsten…
oder in Belgien: Crammed Discs

Literatur
Zur österreichischen Migration nach Brasilien empfehle ich die Lektüre von Dr.in Ursula Prutsch, hier ein Link zu Brasilien 1889-1985.
Ursula Prutsch lehrt zur Zeit in München. Sie ist wahrscheinlich die Spezialistin zur neueren Geschichte Brasiliens, v.a. im Deutschsprachigen Raum. Mehr Links zu Ursula Prutsch
Mein Lieblingswerk zu Afro-Brasilien ist nach wie vor Andreas Hofbauer: Afro-Brasilien, Promedia Verlag (1995)

hier gibt es einige meiner Artikel zu Brasilien, v.a. natürlich zur Frage der Landenteignungen, fehlenden BürgerInnerechten und Umbanda & Candomblé.

Soziales, Kulturelles
Auf www.globalista.net gibt es einen Überblick über meine Projekte mit/in Brasilien.
Casa Matria ist das Kultur und Sozialzentrum in Salvador, Vila Brandão, das wir gerade mit vielen Schwierigkeiten aufbauen.

…missin’ time & lookin forward: 100 years of womens’ day!

14 August 2010 13:24

sternno time for my blog… sorry!
I’ve got so many amazing projects going on right now that I just can leave a few info-drops here:
Womex 2010 in Copenhagen: I’ll be coordinating & promoting the WORLDMUSIC AUSTRIA booth, together with my IG Worldmusic Austria colleague Horst Watzl…
You’ll get to know my prefered baby – a women networking meet & greet – 2011 is 100 years of womens’ day!
• also @ Womex: preparing the conference // From Idea to Distribution: Tips and tricks on the production and distribution of audio-visual formats and effective promotion using Web 2.0 with Chris Hunt (UK/Austria), (IMZ) – I’ll be a panelist and will share my experiences with you – as I already did at MIDEM 2009.
Célia Mara had an amazing spring & summer – we travelled a lot, had amazing shows in gorgeous places – we have been to New York and again to Genua, where our friends from LA BANDA DI PIAZZA CARICAMENTO are based. The cooperation goe’s on… and we love. Just a week ago, we had an amazing show with Ash Lombardo & Albert Sardei from the Banda at the Austrian fetsival Hiesige & Dosige.
• and… last but not least: FEMOUS is born… watch out the news…

april. schlechtes wetter und viel arbeit.

24 April 2010 1:41

und der märz verflog im nu…
webpk_triomarg1Célia Mara Tour “Meus Amores” with Benjamim Taubkin & Margarethe Deppe was wonderful… emotional, tender… everything in a mood of love… adoramos!! We discovered Austria (and Slovenia) from north to south & east to west – with a lovely tourstart in Gutenbrunn beim Juster… so ein wunderbarer Platz und lieber Gastgeber – and intensive shows in Remise Bludenz – Cankarejev Dom in Ljubljana & Konzerthaus Vienna (sold out!!!). Here is the link to the austrian news talking about it … I’ll post the press-clippings soon… check out the MICA-News here…

Next is  Washington DC and New York ::: with the support of the Austrian Cultural Forums, we will present parts of the new program Meus Amores… and have a Brazilian bastardsound Club-Debut in Joe’s Pub – New York City!

… IG Worldmusic Austria:
Frauen/Musik Österreich Handbuch
- gemeinsam mit dem bmeia und einer Gruppe von Expertinnen arbeiten wir an einem Ziel… musizierende Frauen in die Welt zu schicken. Die künstlerische Vielfalt Österreichs aufzeigen. Wir haben so viele hervorragende Künstlerinnen, die in unserem Land leben…Eine Zusammenarbeit mit den Kulturforen und Kulturabteilungen der Botschaften ist in Vorbereitung. Ich freue mich besonders, das Buch in Washington DC, im Österr. Kulturforum, am 30.4. vorstellen zu dürfen.
SOS MUSIKLAND ÖSTERREICH und Österreichischer Musikfonds: Staatsbürgerschaft ist kein Auschlußkriterium mehr! Sowohl die historische Musikcharta, die zwischen ORF und Österr. Muskwirtschaft abgeschlossen wurde, wie auch der große Produktionsfördertopf haben unsere Forderung nach Gleischstellung von MusikerInnen nicht österr. Staatsbürgerschaft anerkannt und in den Statuten umgesetzt. Es lebe die Vielfalt!
Überhaupt… Vernetzung läuft auf allen Ebenen… mehr dazu später.

… global bastards… outlaws im karibischen Raum
Natürlich, Brasilien – der Nordosten. Salvador lässt mich nicht los, mit “Die Königinnen vom Salgueiro haben relative Bürgerrechte” – der Doku über das Selbsthilfeprojekt Nika Jaina in einer Favela in Rio de Janeiro. Wie sie entstanden ist. Was Dona Ivete wichtig war. Und ich werde ich aus meinen brasiliansichen Wintern erzählen…  dem Projekt, ein Kulturzentrum in einer Favela aufzubauen – Alltag geprägt von Rechtlosigkeit und Gewalt. Gedanken zu institutionellem Rassismus und seinen Folgen. Aus weiblicher Sicht. Zwischen 7. und 9.5 in der Wiener Urania
Hier gibt’s ein wenig zum “Einstimmen und Vorschauen”: vimeo.com/channels/favela

IG WORLDMUSIC AUSTRIA – SOS Musikland Österreich – Radioquote ORF

28 December 2009 21:15

Ein Weihnachtspaket der besonderen Art!
Nach zähen Verhandlungen zwischen dem ORF und den VertreterInnen der Plattform SOS Musikland Österreich wurde knapp vor Weihnachten eine Einigung erreicht: eine Steigerung des Anteils österreichische Musik aus den ORF-Radios auf 30% Österreichanteil binnen 2 Jahren!
Besonders freut uns, als VertreterIn der in Österreich lebenden World Music – Schaffenden, dass die Definition von österreichischer Musik explizit die von uns vertretenen KünstlerInnen mit Migrationshintergrund miteinbezieht und hoffen, dass sich damit auch deren Präsenz in der öffentlichen Wahrnehmung verstärken wird.
Mit dieser Vereinbarung wird der kulturellen Diversität des künstlerischen Schaffens in unserem Lande Rechnung getragen und wir hoffen, dass wir im Rahmen des Dialogorgans diesen Aspekt auch noch weiter fördern werden!
Das angestrebte Dialogorgan, das die Ergebnisse evaluiert und in inhaltlicher und qualitativer Hinsicht weiterentwickelt, ist in der Vereinbarung ebenso enthalten wie die Bereitschaft des ORF die Produktions- und Verwertungsförderungstätigkeit des Musikfonds auch finanziell zu unterstützen.
In diesem Sinne wünsche ich allen Kolleginnen und Kollegen ein Worldmusic made in Austria – lastiges 2010 on air!

16 June 2009 12:04

… mein erstes posting nach langer zeit – IG worldmusic austria – we have a discussion going on about the visa issue – schengen…
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Liebe kollegInnen,
ich glaube, es ist keine frage, dass handlungsbedarf besteht.
die lage für uns world-künstlerInnen und ihre verbreiterInnen (ob label, booker, promoter, presse…) wird von tag zu tag schlimmer. “creative industries” ist zwar ein cooles schlagwort, die arbeitsbedingungen erinnern aber an g. hauptmanns “die weber”.
in europa wie in österreich.
und wien ist da nicht anders.

danke Vusa für die frische power, unser aller anliegen in sachen fremdenrecht wieder nach vorne zu bringen.
Horst, dein vorschlag, die großen festivals um ein kollektives statement zu ersuchen, ist sehr fein. das wäre auch für die arbeit von freemuse gut.
Die petition “access denied” zu unterschreiben ist ein wichtiges zeichen – rufen wir alle über unsere netzwerke dazu auf.
Fremdenrecht? ABGESAGT!
auf www.abgesagt.net haben wir ja schengen, visa- und fremdenrecht ausführlich thematisiert und gegen das gesetz mobilisiert, freemuse hat europaweit die koordination in der schengen-visa frage übernommen. F R E E M U S E – Freedom of Musical Expression
aber noch mehr handlungsbedarf ist angesagt:
die kulturellen (und sozialen) rahmenbedingungen verschlechtern sich rasant. rassistische hetze begleitet den ausbau des überwachungsstaates, öffentliche gelder fliessen in “sicherheit/militarisierung-überwachung” statt in kulturelle integration und bereicherndes zusammenleben.
in unseren nachbarländern marschieren bereits paramilitärs unter beifall der öffentlichkeit auf – und treten vehement gegen roma-communities auf. in österreich haben wir einen 3.nationalratspräsidenten…
rassistische übergriffe werden langsam “normal”, der ruf nach einem führer hat auch schon österreich erreicht (20% – 25% wollen einen führer! SORA-studie).
die grenzen gegen süden und osten werden dichter gemacht, die töne schärfer, die ökonomischen barrieren höher und höher, der kommerzielle druck nimmt zu.
wer von uns hat es noch nicht gehört – das rentiert sich doch nicht…

institutionelle diskriminierungen nehmen erschreckend rasch zu.
da sind v.a., neben der fremdenrechtverschärfung, die subventionspolitik in kultur und sozialem zu nennen.
und der ausschluss aus den staatlichen medien nicht zu vergessen. nennt uns ein land, das die eigene musik nicht im radio spielen lässt…
und eines, das keinen richtigen sendeplatz für worldmusic hat! SOS (World)-Musikland Österreich!

für uns – die, die zwischen den welten werken – schaut es ganz besonders schlecht aus:
interkulturelles ist das stiefkind der kulturpolitik. (und wir wissen, dass die kultur sowieso schon weit abgeschlagen nach dem sport kommt.) die armut breitet sich rasant aus.
37 Prozent der kunstschaffenden in österreich leben bereits unter der armutsgefährdungsgrenze – und das einkommen ist geringer als vor zehn Jahren!
wenn wir noch gendergerechtigkeit bewerten, können wir (interkulturelle) frauen uns überhaupt gleich an den schlusspunkt der gesellschaft setzen. (mir schwirren gerade -35% vom gleichen lohn entfernt im kopf herum…)

wir brauchen bessere rahmenbedingungen!!!
mehr und gerechtere subventionen für interkulturelles schaffen! gendergerechtigkeit in der subventionspolitik!
soziale absicherung für künstlerInnen und kulturschaffende -
in wien, in österreich und in europa!

längst ist lokaler handlunsgbedarf gefragt:
die IG world fordert seit langem ein gespräch mit dem kulturstadtrat der stadt wien, um die rahmenbedingungen in wien für uns kulturschaffende in der worldmusic zu verbessern – ein umdenken in der subventionspolitik ist angesagt. aber es herrscht funkstille.
so können wir dem rechtsruck in unserer stadt sicher nicht entgegen treten.

auch österreichweit ist es zeit:
in einem ersten treffen in gmunden im juni wurde das projekt geboren, einen tag der musikalischen vielfalt zu gestalten. österreichweit. ein projekt des ÖMR in zusammenarbeit mit der IG world. was noch fehlt, ist das geld. bittesehr!

Liebe kollegInnen – handeln wir!
Virtuell können wir viele und starke zeichen setzen – vernetzen wir uns im facebook, unterstützen wir uns gegenseitig in unseren anliegen.
Die IG worldmusic austria ist die summe ihrer mitglieder – wir sind so stark, wie die, die mit uns sind.

mit lieben grüßen -
und immer noch guter hoffnung, dass wir etwas verändern können!
silvia jura
ig worldmusic austria

PS:: WOMEX ANMELDUNG ZUR SMART RATE NUR NOCH BIS FREITAG, DEN 19.6 – email von andraes kommt noch jetzt!!!

Horst Watzl schrieb:
>
>
> Hello,
>
> wir haben die Information verbreitet und auf unsere website gestellt. Wir sind seit Jahren mit jeuness intl. in Kontakt und haben bislang die Siegerbands alljährlich in Österreich vorgestellt. Für Mokoomba konnten wir leider heuer niemand begeistern?
>
> Wer immer sich hier in Zimbabwe querstellt; ich finde das eine ungeheure Einschränkung der künstlerischen Freiheit und würde ganz im Sinne von Vusa Mkhaya dafür plädieren, dass die IG World einen geharnischten Protestbrief formuliert!! oder zumindest die Protestpetition unterzeichnet!!
>
> cc an Dag Frantzen von Music Crossroad, der sich seit Jahren bemüht, MusikerInnen im südlichen Afrika Türen in die Welt zu öffnen.
>
> Music Crossroads International
> c/o Interarts Foundation
> Mallorca 272, 9a planta
> 08037 Barcelona
>
> Wenn die Geschichte in einem anderen Zusammenhang geschieht und unmittelbar eigene Interessen damit verbunden sind, dann erfolgt ein Aufschrei. Ich würde es sehr begrüssen, wenn die großen Festivals in Österreich und natürlich alle anderen Veranstalter, kollektiv gegen die Verweigerung des Visas für Mokoomba protestieren; gerade weil sie diesmal nicht davon betroffen sind und wir wissen, dass es zunehmend schwieriger wird, Künstlerinnen in den Schengen-Raum einzuladen.
>
> Horst Watzl
>
>
>
> Siehe auch:
>
> If you can’t read this newsletter, please click here: www.jmi.net/newsletter/newsletter.php?nr=37&ID=1166&email=watzl@vidc.org
>
> 11 Jun 09
>
> Access Denied: Petition Against EU VISA Discrimination of Musicians
>
> The announcement (8 June) by JMI and Music Crossroads of the forced cancellation of the European tour of young Zimbabwean artists Mokoomba due to blocked visas, has struck a chord with many facing similar difficulties. We thank you for your responses and invite you to show your support for Mokoomba by Signing this Petition and forwarding this mail to as many friends and colleagues as you have!
>
>
> Music events across Europe are important global villages – uniting local and international artists, providing intercultural learning opportunities, promoting peace and respect.
>
> Yet power lies in the hands of those deciding on visas to dictate which artists, and from which countries, are welcome behind the walls of fortress Europe to let their voices be heard.
>
> Visa obstructions to the young Zimbabwean group Mokoomba in the wake of their European tour raises major concerns over the future of cultural diversity on the European stage.
>
> In the lead up to their European Tour, they were dubbed ‘The Next Generation of Zimbabwean Hope’ – in celebration of their incredible talent and story of diversity and perseverance, the group coming from one of Zimbabwe’s smallest rural villages, and singing in Tonga, a language foreign to even the majority Ndebele and Shona speaking population of Zimbabwe.
>
> “Difficult, inflexible, and un-transparent visa procedures have led the music community to a crisis point. Many concert organizers are no longer able to take the risk in booking artists from countries where visas are required, knowing what issues may arise later when artists are blocked behind borders” – Blasko Smilevski, JMI Secretary General. “It is not difficult to guess which countries’ artists will be cut out of the picture.”
>
> In 2006, the European Community signed the UNESCO Convention on Cultural Diversity, committing Europe to develop “measures in developed countries with a view to facilitating access to their territory for cultural activities from developing countries,” yet administrative procedures have yet to reflect these good intentions.
>
> Band leader Abundance Mutori, whose songs speak of social ills, the HIV pandemic, love and a Zimbabwean nation determined never to give up hope said “we believe the potential for Tonga music is still to be explored and will one day reach the world at large”.
>
> The Mokoomba tour is part of the Music Crossroads program, the largest youth empowerment program in Southern Africa, supported and funded by the Government authorities in Norway, Spain and Sweden. “It is an ironic tragedy that Mokoomba has been bared from taking the stage in countries who helped create the dream” said Blasko Smilevski.
>
> Don’t let visa regulations restrict cultural exchange between Europe and the rest of the world, please join us and Sign this Petition
>
> Contact European Commission President Barroso and demand a review of visa procedures for artists from ‘developing countries’, see recommendations HERE.
>
> More Info:
> Matt Clark, Communications Officer, JMI
> press@jmi.net
> +32 2 513 97 74
> www.jmi.net
>
> Join the fight on Facebook
>
>
>
>
>
>
>
> Von: worldmusicaustria@yahoogroups.de [mailto:worldmusicaustria@yahoogroups.de] Im Auftrag von Vusa
> Gesendet: Montag, 15. Juni 2009 14:51
> An: worldmusicaustria@yahoogroups.de
> Betreff: [worldmusicaustria] Mokoomba
>
>
>
>
>
>
> Dear friends and colleagues,
>
> I am a bit saddened by the news that the young band from Zimbabwe “Mokoomba” winners of the Music Crossroads competition were denied Visas to travel to Europe and they had to cancel their first ever European summer tour.
>
>
>
> “Music is and has always been a unifying factor around the world, bringing together people from different backgrounds, races, ethnicities and of course, traditions. It is through music that people get to know and understand other cultures and develop a liking to adopt into that culture.” Why does the “authorities” deny these young hardworking and talented musicians a chance of a lifetime.
>
>
>
> There has been a posting since a few days ago about the denial of visas for this young band on this forum and I haven`t seen any reaction from the members of the “worldmusicaustria”. Why the silence? I know some of you will say this has nothing to do with us, or we are not involved in this and so on….! Where do we draw the line. Who does “worldmusicaustria” represent? Some of you are concert organizers,Band managers, musicians, djs, music journalists etc… What would you do if your band or you are denied Visas by the ”authorities” at the last minute. Can you imagine if all the musicians that are scheduled to perform at the Jazz fest Wien 09 are dinied visas. Can you imagine if all touring world music bands are denied entry into Austria….
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>
>
> If someone could have sent a post advertising a gig on this forum, complaints like “this forum is not for advertising gigs” or “lets not misuse this forum” would have came from left right and center…
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>
>
> Vusa