Wiener Herbst im feministischen Frühling

Wiener Herbst im feministischen Frühling

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Der 29.9.2018 wird in die Geschichte eingehen. Der Protest der Frauen ist die größte, spontane Massenbewegung, die Brasilien seit Jahrzehnten erlebt hat. Dem Aufruf der Facebookfrauengruppe „Mulheres unidas contra Bolsonaro“ folgend, gingen in ganz Brasilien Millionen Menschen auf die Straße, um gegen den faschistischen Präsidentschaftskandidaten Jair Bolsonaro und die von ihm propagierte Gewalt, Mysogenie, Rassismus und Homophobie aufzustehen. Solidaritätskundgebungen fanden in über 65 Ländern weltweit statt, teils mit über tausend Teilnehmer_innen wie in Barcelona, London, Paris oder New York.
Mit 200 Teilnehmer_innen erlebte Wien die größte Kundgebung von Brasilianer_innen, die hier jemals stattgefunden hat. Von der Staatsoper ging es zum Albertinaplatz, wo eine erste Zwischenkundgebung vor Alfred Hrdlicka’s Mahnmal gegen Krieg und Faschismus stattfand. Mit einer Schweigeminute wurde der ermordeten Gemeinderatsabgeordneten Marielle Franco und der über 300 indigenen Führer_innen, Kleinbauern sowie Umweltaktivist_innen gedacht, die 2017 Opfer von Bolsonaros Verbündeten, den Militärs und Milizen wurden. Auf die Unsichtbarkeit der Lesbenverfolgung in der NS Zeit wurde besonders hingewiesen, der Ermordeten und Verschwunden in Lateinamerika gedacht.
Die Demonstrant_innen erfüllten die Wiener Innenstadt mit Sprechchören gegen Faschismus und für ein Ende der Gewalt gegen Frauen – in Brasilien wird alle 10 Minuten eine Frau vergewaltigt, alle 2 Stunden gibt es ein Feminizid. „Bolsonaro – Fascista!“ tönte es, „Nie wieder Faschismus – weder in Brasilien noch anderswo“, „internationale Solidarität“ waren die Slogans, die das Unichoro gerufene „ ELE Não“ „ niemals ER“ ergänzten.
Die Kundgebung war ein widerständiges Fest der Lebensfreude, die Demonstrantinnen sangen und tanzten, „Bella Cião“ wurde zu „Ele Não“ umgetextet, die „Arbeiter von Wien“ wurden zur „Hymne des brasilianischen Volkes“.
Die Schlusskundgebung an der Pestsäule festigte den Glauben an eine lebende Demokratie. Nie wieder Faschismus, eine Ende der Gewalt gegen Frauen und Minderheiten, keine Waffenfreigabe waren die Hauptforderungen. Bolsonaro darf nicht Präsident Brasiliens werden!
Solidaritätsbotschaften österreichischer Politikerinnen wie Penny Bayr/SPÖ, Maria Stern/Liste Pilz, Ewa Dziedzic /Grüne Frauen, und von Vertreterinnen der Zivilbevölkerung wie Korinna Schumann/ÖGB, Lisa Maria Weinberger/Frauenvolksbegehren, Sylvia Oberhauser/HOSI und Ruth Sierra Leon/Colombia Puede unterstützten den Aufruf gegen Faschismus und Mysogenie.
Text: Silvia Jura – silviaglobalista@gmail.com – 43-69910088700
für das Organisationskomitee Mulheres contra Bolsonaro in Austria

Ankündigung:
3.10.2018 – 19:00 LAI – Lateinamerikainstitut,
Schlickgasse 1, 1090 Wien
Brasilien am Scheideweg – hat die Demokratie eine Chance?
RoundTable mit den Brasilienexpert_innen: Bernhard Leubolt (Politikwissenschafter), Ralf Leonhard (Journalist), Aparecido Lima (Organisationskomitees PT international), Célia Mara (Künstlerin) und Adriana Salles (Mulheres Unidas contra Bolsonaro). Moderation: Silvia Jura
Musikalische Eröffnung: Célia Mara

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