Buen Vivir: spirituelle Wurzeln, Candomblê in Österreich

Buen Vivir: spirituelle Wurzeln, Candomblê in Österreich

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Im Rahmen meiner Recherchen zum Buen Vivir – Bem Viver, oder Sumak Kawsay (quíchua), Teko Porã (guarani), setze ich mich natürlich mit den spirituellen Wurzeln Brasiliens auseinander, Kultur verstehe ich dabei als den Weg zum Empowerment, zur Selbstfindung. Für Afro-Brasilien ist es der Candomblê, dem wir dabei besondere Aufmerksamkeit schenken wollen. Asé!

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babalorixa andersonWir konnten einen wichtigen Vertreter des Candomblês, Babalorixa Anderson de Oxala nach Österreich einladen. Der Candomblê-Priester und Menschenrechtsaktivist aus Salvador / Bahia wird von 9 bis 20 Juli 2015 in Österreich sein. Er steht für Interviews, Vorträge, Workshops, spirituelle Beratungen und entwicklungspolitische Begegnungen zur Verfügung.

Der Candomblê stellt die Essenz der afro-brasilianischen Geschichte dar, das ist Vergangenheit und Gegenwart, Religion und Widerstand, Geheimgesellschaft, Großfamilie und Kulturträgerin. In Brasilien ab dem späten 16. Jahrhundert entstanden, kann er als die afrikanischste aller Religionen bezeichnet werden. Denn es handelt sich um die Synthese verschiedener afrikanischer Religionen, unter Einbindung der indigenen Geisterwelten. Candomblê war für die versklavten AfrikanerInnen die Türe in eine geheime Verbundenheit, der Wiederaufbau der Würde ebenso wie eine gemeinsame, spirituelle und rituelle Sprache.

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Candomblê ist ein politisch-philosophischer Weg in Spiritualität, Netzwerkarbeit und Solidarität, eine Begegnung mit dem Ich, der Gesellschaft, Gottheiten und der Natur, mit Ritualen voller Trance, wo Trommeln und Tanz den Weg zu einem universell gedachten Frieden weisen. Ein Weg der Diversität und der vollständigen Gleichstellung – Geschlecht, Sex, Hautfarbe, Alter, Glauben…

Candomblê können wir als die Matrix der afro-brasilianischen Religionen definieren, verwandt mit Umbanda und Macumba, mit der kubanischen Santaria und dem haitianischen Voodoo.

Im Candomblê wird die afrikanische Geschichte erzählt, das Wissen um die Orixás, deifizierte AhnInnen und ihre Naturverbundenheit, weitergegeben, der Bezug Mensch / Natur / Orixá gepflegt, die persönliche Verbundenheit ausgearbeitet. Das heilige Orakel bietet Hilfestellung und vermittelt Rat und Willen der Gottheiten. Tanz, Trommeln und vielfältige Rituale sind Teil der Zeremonien.

Den Yalorixas und Babalorixas, Priesterinnen und Priestern obliegt es, diese Verbindung in Ritualen herzustellen und auch die Botschaften der Orixás im heiligen Orakel zu empfangen und weiterzugeben.

Babalorixa Anderson de Oxala 

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ist spiritueller Leiter des Terreiro Obatalandê in Lauro de Freitas / Bahia, einer in Ketu-Tradition stehenden Candomblê-Gemeinde. Die Ketu Tradition gilt als sehr traditionsgebunden, die ursprünglich westafrikanischen, aus Nigeria stammenden Elemente werden gepflegt und perpetuiert. Sein Haus hat bereits hohes spirituelles Prestige, er selbst gilt als einer der wichtigen, jungen Repräsentanten des Candomblês.

Das von ihm angebotene Muschelorakel, das den Wunsch und Rat der Gottheiten an die Fragenden im Muschelspiel vermittelt, wird Brasilienweit geschätzt. In Nizza/Frankreich leitet er das öffentliche Ritual für Yemanja, die Meeresgöttin, in Graz hatte er bereits 2010 erste Seminare angeboten.

Babalorixa Anderson de Oxala ist einer der Initiatoren des Marsches gegen religiöse Intoleranz, engagiert sich auf institutioneller Ebene im Kampf gegen Rassismus und soziale Ausgrenzung der afro-brasilianischen Bevölkerung. Er legt besonderen Wert auf die soziale und kulturelle Komponente seiner Arbeit, die Verbreitung und den Erhalt der afro-brasilianischen Kultur, den Aufbau einer selbstbewussten lokalen Gemeinde.

Termine:

15.7 – 20.7 Kasumama Afrika Festival – www.kasumama.at
Buen Vivir – Dorfgespräche am Open Stage jeweils 11:00 – 12:00

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