Besuch vom Babalorixá – Ankommen

Besuch vom Babalorixá – Ankommen

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Der Menschenrechtsaktivist und Candomblê Priester Babalorixá Anderson de Oxalá, des Terreiros Ilé Axé Ala Obatalandê in Salvador/Bahia, war Ende Juni nach Europa gekommen, um in Nizza das Fest von Yemanja, der Meeresgöttin zu leiten. (Festival Culturel Brésilien, Fête de Yemanja, Nice / Solange Baretto). Wir luden ihn danach nach Österreich ein.

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Es gab nicht viel Zeit, sein Kommen zu organisieren, ganz Brasilianisch wurde sein Europa Ticket knappe 30 Tage vor Reisebeginn bestätigt. Ich war davon ausgegangen, dass es klappen würde, ein Risiko… aber, was wäre das Leben ohne einen kleinen Nervenkitzel.
Als Fixpunkt seiner Reise hatte ich das Kasumama – Afrika Festival eingeplant; heuer war ich dort erstmals für die Programmierung der Open Stage, der kleinen Begegnungsbühne, zuständig und hatte einen Diaspora Schwerpunkt gesetzt – genügend Platz für eine ausführliche Diskussion des Candomblés. So war es von Anfang an klar, dass Pai Anderson, wie wir ihn im Terreiro nennen, 4 Tage lang im tiefsten Waldviertel über Ahnenverehrung, Natur, afrikanische Wurzeln und den Einsatz für eine gerechtere Welt reden würde.

Vorträge und Interviews

Als wir ihn am 11. Juli am Flughafen Wien-Schwechat abholten, hatten wir schon einige weitere interessante Veranstaltungen organisiert, wir freuten uns besonders auf die Zusammenarbeit mit der brasilianischen Botschaft und dem Weltmuseum Wien, wo wir einen Vortrag zum Candomblê und den Legenden der Orixas anbieten würden. Ein weiteres Highlight sollte eine Diskussionsrunde im tba21, im heiligen Raum der Huni Kuin, vom brasilianischen Bildhauer Ernesto Neto gestaltet, am Sonntag Nachmittag bilden. Ein Empfang beim brasilianischen Botschafter würde das offizielle Programm abrunden. So war es – bis auf weiteres – geplant. Dazu kamen einige Interview-Anfragen… und noch einiges mehr.

Worum geht es Babalorixá Anderson und uns globalistas?

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Wir hatten Babalorixá Anderson nach Österreich eingeladen, um hier einer interessierten Öffentlichkeit mehr Einblick in die afro-brasilianische Kultur zu gewähren. Die Verbindung einer modernen, afrikanischen Diaspora in Österreich mit gelebter Yoruba-Kultur aus Bahia stellten wir uns sehr spannend vor – für alle Beteiligten. Auf dieser Überlegung aufbauend programmierten wir die Open Stage des Kasumama-Afrika Festival.

Andererseits sind wir von der sozial und politisch aktiven Seite des Candomblês begeistert – eine Selbstwert- Empowerment-Bewegung, die ihresgleichen sucht.

Der dritte Aspekt ist die spirituelle Kraft des Candomblês, die mich schon lange in ihren Bann gezogen hat. Das heilige Ifá, das Orakel, die Rituale und Akte der Besessenheit sind für uns, vernunftgeprägt Denkende kaum vorstellbar und eröffnen neue Dimensionen der Wahrnehmung.

Die meiste Zeit verbrachte Babalorixá Anderson in Österreich mit Vorträgen, Interviews und Vernetzungstreffen. Einerseits arbeiteten wir gegen die hiesigen Vorurteile, Babalorixa Anderson zeigte, warum pluritheistische Religionen, also Glaubensformen, die sich nicht auf eine autoritären Monotheismus reduzieren lassen, so wichtig für die Identitätsbildung sind. Besonders Jugendliche mit afrikanischem oder brasilianischem Hintergund, aus gemischten Beziehungen zwischen Nord- und Südländern, kennen oft nur einen Aspekt ihrer Geschichte. Nämlich die europäische Seite. Die Geschichtserzählung im Candomblê, die Legenden der Orixás, die vom Empowerment der Frauen durch die Göttin Oxum, vom Friedenswerk Oxalas, von der Erfindung des Eisens durch Ogum, um die Felder bebauen zu können, von den vielen Konflikten im Afrika des 16. und 17. Jahrhunderts, den Königreichen und ihren HerrscherInnen erzählen, lassen die Jugendlichen verstehen, dass ihre Geschichte nicht minder wichtig als jene der Europäer ist, dass sie nicht als “Armutschkerl, denen man helfen muss” geboren wurden. Candomblê ist afrikanische Geschichtspflege. Made in Brasilien!

Aber dazu folgt in den nächsten Berichten mehr. Wir sind erst am

Tag 1: Donnerstag, 9 Juli
Oxossi, der Jäger trifft mit nur einem Pfeil

Zuerst ging es – vom Flughafen direkt nach LdorfTVinz, in den Ku-Hof. Ein lockeres Interview für Dorf TV bildet den Auftakt von Babalorixá Andersons Österreich Reise. Ein bisschen über Candomblê, afrodeszendente Kultur, Antirassismus sprechen, und das bei der Abschlussveranstaltung von Claudia Limas Tanzkurs. Vor Beginn des Interviews wartete schon der erste Brasilianer im Backstage auf uns, mit der Bitte, ihm das Orakel zu lesen… ein Universitätsprofessor, Physiker, aus São Paulo. Es gelingt uns noch, in der kleinen Pause zwischen Muschelspiel und Interview eine Kürbissuppe gegen den Heißhunger zu nehmen. Das Interview vor der Tanzgruppe dauert gute 1 1/2 Stunden, nach einem Zwischenstopp in einem Ruandesischen Restaurant in Linz geht es zurück nach Wien.

Tag 2: Freitag, 10 Juli
Oxalá, der große Orixá Funfun des Friedens und der Weisheit

Babalorixa Anderson geht mit uns beim Frühstück das Programm der nächsten Tage durch, es gibt viel zu erzählen, am Nachmittag kommen schon die ersten Interessentinnen, das Orakel zu befragen. Ich übersetze, übersetze Einblicke in Schicksale. Die Orixás, die Gottheiten, AhnInnen, Naturkräfte sprechen durch das Muschelspiel. Fragen, die oft noch nicht gestellt werden, finden unerwartete Antworten.

Dorothée Frank, vom österreichischen Rundfunk, Kultur- und Gesellschaftspolitik Journalistin, hat sich angemeldet. Ein Interview für das Ō1 Kulturjournal ist geplant, Österreichs Kulturinfomationsendung.

Dorothée Frank möchte eine kurze Einführung in die Welt des Candomblê und die Verbindung zu Menschenrechts-bewegungen bieten. Ein weiterer Fokus liegt auf dem Unesco Weltkulturerbe und der in Salvador um sich greifenden, schamlosen Immobilienspekulation.
Als Anderson auf Dorothées Frage zur Kosmologie des Candomblê antwortet, hält sie kurz inne – ja, das gibt mehr her…. sie befragt den Babalorixá zu seinen Utopien, sie bereitet gerade den dritten Teil Ihrer Reihe im Radiokolleg für den Herbst vor. Ich gebe ihr ein schnelles Interview zu den angefragten Themen, den Anlass bietet unsere Veranstaltung am 13.7. im Weltmuseum. Ö1 Kulturjournal, 13.7.2015

 

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